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Verabschiedung bei Geschwistern in F:

 

 

Durch H.

 

Sonntag, 15. März 2009 13:39 Uhr

Segensgebet und Abschied für einen lieben Geistesfreund vor der Ausreise in ein fernes Land

„Ja, ich möchte dem Herrn, ganz besonders Jesus, ich möchte Dich ganz besonders um Segen für den ... bitten, der morgen in ein fernes Land fliegt und wo es mein ganz besonderes Herzensbedürfnis war, ihn nochmal zu sehen, wer weiß, für wie lange. Aber im Herzen sind wir ja durch Dich verbunden, und wir wissen, Vater, Du behütest und beschützt unseren Bruder dort und eröffnest ihm die Innenräume in weit tieferem Maße, als wir es hier vielleicht könnten.

Es ist ein wenig Abschiedsschmerz, aber auch Hoffnung und Freude durch Deine Worte, die du uns geschenkt hast heute, wo Du verheißen hast, daß wir alle auch in fernen Ländern Lichtpfosten werden dürfen, so auch unser Bruder. Beschütze, behüte und begleite ihn und halte ihn immer in Deinem Herzen, in unseren Herzen, so daß er einst reich wieder nach Hause hierher zurückkehrt und Dir bringt die reichen Früchte vom Herde der Purista.*)

Und so wollen wir auch hier die Stellung halten und Deinen Willen tun, Vater, Deinen Willen in unseren Herzen erkennen, so daß wir durch diesen Willen und diesen Geist in uns immer verbunden bleiben durch den wahren Geist der Liebe. Danke für Deine Liebe, für Deine Gnade und für Deine Heilung, für Deinen Schutz und für Deine Führung. - Danke, Vater, danke, - Amen.“

 

*)„Die Küche der Purista“, siehe Jakob Lorber „Die Haushaltung Gottes“,

Bd. 2, Kap. 22

 

 

Sonntag, 15. März 20:22 Uhr

Gebet Schwester E.

„Diese Rosen hast Du uns heute gestreut. Es war ein wunderbarer Tag, mit vielen Begegnungen, mit vielen Gesprächen und Vertiefungen, und jeder fühlte sich zu Hause in Dir. Und jeder fühlte sich vertrauensvoll angenommen von den Geschwistern, weil wir einfach mit Dir verbunden sind.

Habe Dank, lieber Vater, für dieses Fest, für dieses innere und äußere Fest, es soll uns tragen in den Alltag, wo wir auch wieder Dürreperioden erleben, wo wir manchmal ganz verzagt sind. Aber wir sollen auch daran denken, daß wir Geschwister haben, die mittragen, die miterleben und daß wir uns gegenseitig stärken immer wieder, wenn die Zeiten auch rauher  werden und jeder Dürreperioden durchmachen muß.

Laß' uns daran immer denken, daß wir miteinander verbunden sind. Sei uns gnädig, lieber Vater, und führe weiter durch unsere Zeit und führe die Geschwister auch gut nach Hause, daß sie gestärkt in die kommende Zeit gehen. Danke, - Amen.“

                                          

 

 

Ostern 2009

 

Meine lieben Freunde und Geschwister,

 

so, nun endlich habe ich mich etwas eingelebt hier in Brasilien und das Internet ist auch schon (in aller brasilianischen Eile) installiert. Wie ich versprochen habe, werde ich nun von Zeit zu Zeit Bericht erstatten  aus dem Lande wo die Zitronen, Bananen, Orangen und Mangos im eigenen Garten wachsen. Nun aber schön der Reihe nach:

 

 

 

Zweck und Vorbereitung der Reise    

 

Schon als mir gezeigt wurde, dass es neben dem stressigen Leben in und für die vergängliche Materie auch ein weitaus interessanteres Leben im Geist und für die fleischlichen Augen unsichtbare, aber weit spannendere Welt gibt, ist bereits der Grundstein für die Art und Weise eines späteren Lebensabschnittes gelegt worden.  Wer meine Büchlein "Sieben Schritte zur Wiedergeburt" und "Das Himmelreich ist in euch" gelesen hat, der  weiß, wovon ich rede. Für meine lieben Freunde, welche diese Lektüre noch nicht verinnerlicht haben, nur mal soviel: Es wurde mir klar im Geiste gezeigt, dass in jedem Menschen die göttliche Kraft als unbedeutendes Samenkorn vorhanden ist. Erfährt aber dieses geringe Samenkorn unsere Aufmerksamkeit und wird es dann mit Liebe gepflegt, so beginnt es bald zu keimen und zu wachsen. Wenn nun dieses Pflänzchen nicht nur so nebenbei, sondern mit höchstem Interesse und ganzem Eifer umsorgt wird und das Wachstum und Gedeihen zum Lebensinhalt wird, da erlebt man wahrlich Erstaunliches, wie man es sich kaum vorstellen kann! 

Als ich  entdeckte, welches die Haupthindernisse für das Wachstum dieser Göttlichen Kräfte sind und wie man diese Barrieren beseitigt, wurde es eigentlich so erst  richtig interessant. Die Haupthindernisse waren und sind für alle Menschen die gleichen: die Weltliebe und die Fleischbegierde. 

Um die Weltliebe zu bekämpfen kam mir mein Beruf als LKW-Fernfahrer im allgemeinen und meine arbeitgebende Firma Schöni im Besonderen entgegen. Zum Einen war ich die ganze Woche alleine und hatte kaum Gelegenheit, der Weltliebe meinen Tribut zu zollen, und zum anderen war es in der Firma mit den Vorgesetzten, den Arbeitskollegen und der Arbeit als solches nur zum Besten bestellt, ein Arbeitsverhältnis, das besser nicht sein konnte.  

Eine ganz besondere Massnahme, mich den Annehmlichkeiten der Welt zu entsagen war, dass ich mich aller meiner unnötigen Habe entledigte, meine ohnehin schon kleine Wohnung kündigte und mit meinen verbleibenden einundneunzig Sachen über ein Jahr im LKW lebte. In dieser Zeit, in der ich nicht mehr vom Materiellen abgelenkt wurde, lernte ich den kaum zu beschreibenden Wert und die Seligkeit der Meditation, oder Stillen Zeit, kennen. Schon nach zwei Jahren konnte ich sagen, dass die ganze bunte Welt mit allen seinen kurzlebigen Vergnügungen und mit all ihrem Schall und Rauch mir nicht mehr das Geringste bieten konnte. 

In der Folge galt dann der Kampf gegen das zweite und weitaus schwierigere Haupthindernis, die tief in der Seele sitzende Fleischbegierde. Bald sah ich ein, dass ich in diesem herkömmlichen Dasein mit all seinen angenehmen Gewohnheiten und süssen Genüsse dieser Schwierigkeit kaum Herr werden konnte. So reifte dann der Gedanke heran, für eine gewisse Zeit der vertrauten Zivilisation zu entschwinden, und durch ein entbehrungsreicheres Leben ohne alle die vielen Annehmlich- und Bequemlichkeiten - aber auch ohne die folglich daraus entstehenden Zwänge (!) - einzutauschen. Und kristalisierte sich langsam mein ungefähres Programm heraus:  Die persönlichen Bedürfnisse auf ein nötiges Minimum herunterschrauben und nur mit dem leben, was zur Erhaltung des Leibes absolut nötig ist, essen was einem in die Hände kommt, möglichst ohne Geld das Dasein fristen und statt mich mit dem herkömmlichen Aussenleben mehr dem Innenleben in Meditation und inneren Beschauung widmen. Verrückt? Ja, ich glaube schon. Jedenfalls dachten das einige meiner Freunde, denen ich von diesem eben nicht alltäglichen Plan erzählte. Für mich war es natürlich nicht so verrückt, weil ich in der Meditation (Stille Zeit) schon einige Erfahrung sammeln konnte und wusste, dass "etwas dahinter" ist. 

Dies war also der Zweck der Reise. Dass der Ort und die damit verbundenen persönlichen Beziehungen gerade in Brasilien Schauplatz meiner weiteren Existenz sein soll, war absolut reine Fügung. Schon zehn Jahre vorher hatte eben diese Fügung alle Fäden in der Hand und bereitete schon alles vor. Das war mir natürlich nie bewusst, aber heute sehe ich in Dankbarkeit, dass in der geistigen Welt immer jemand über uns wacht und unsere Schritte lenkt.

Und das dieser Jemand, weil eben im Geiste lebend, keine Zeit wie Vergangenheit und Zukunft kennt wie unser materielle Lebensbereich. Brasilien kene ich schon seit bald zwanzig Jahren, und fast jedes Jahr besuchte ich dieses Land. 

So hat meine langjährige Freundin Nilce schon seit längerem den Wunsch geäussert, dass ich in Ihr Land, in die Nähe von São Paulo ziehen solle wo sie ein Haus mit fast zwei Hektaren (Hügel-) Land besitzt. Nun war die schon erwähnte Idee, nämlich nur davon zu leben, was mir einfach so in die Hände kommt, nicht mehr so abwegig. Das Anwesen hat genug Fruchtbäume, um davon leben zu können. Auch eigener Kaffee. 

Aber genau hier beginnen auch schon die Schwierigkeiten. Dachte ich. Eigener Kaffee? Eben davon will ich ja loskommen. Brasilien - ein Land in dem ihre Bewohner sich vor allem von Rindfleisch ernähren? Auch davon will ich ja loskommen. Und dann auch noch mit einer Frau zusammenleben! Wie ist es nun mit meinen Vorsätzen bestellt? Ist es möglich, in dieser Situation von allen meinen den herwachsenden Geist hindernden Fleischbegierden frei zu werden? Ja - auch hier hat die unsichtbare Führung alle Massnahmen getroffen, was ich aber erst kurz vor meiner Abreise erfahren sollte.

 

Abschied und Reise 

So vergingen die Wochen, ich gab die Arbeitsstelle auf und setzte den Abreisetag auf den 16.März 2009. Längst schon ist die Absicht gereift, dass dies ein endgültiger Abschied sein wird. Wenn ich dem Ziel, von der Heiligen Schrift ja vorgegeben, entgegenstrebe, so wird wahrscheinlich auch irgendeinmal ein Auftrag daraus erwachsen. Mein Leben nun in den Dienst unseres Schöpfers und Gottes zustellen, dieser Wunsch war längst in mir gereift. Wie dieser Dienst aber in Einzelnen aussehen wird, darüber mache ich mir zur Zeit noch keine Gedanken und viel weniger Sorgen (das habe ich mir schon einige Zeit abgewöhnt). 

Nun galt es, überall Abschied zu nehmen. Es war schon ein besonderes Gefühl zu wissen, dass ich die meisten meiner Familie und Freunde, besonders meine Mutter, kaum mehr in diesem Erdenleben sehen werde. Dass ich aber sie in den Händen der göttlichen Fürsorge wissen darf, ist ein besonderer Trost. 

Ganz besonders ergriffen hat mich das Abschiedstreffen bei Erika Schmitt in Freiburg i/B, bei dem alle die mir so liebgewordenen Glaubensgeschwister anwesend waren und sogar die weite Anreise aus Münstereifel bei Köln auf sich nahmen. Dieses Treffen bekam dann den Charakter einer Aussendungsfeier. Ob das eine Entsprechung im Geistigen war? Noch einmal danke ich Euch allen! 

Der Tag der Abreise rückte immer näher. Die letzten Tage verbrachte ich viel in der Stillen Zeit bei Hansrudi und Annamarie, die mich dann auch nach Basel zum Flughafen begleiteten. Eine letzte Umarmung, ein letzter Freudschaftskuss - und dieser Lebensabschnitt ging dem Ende entgegen. 

Kurz nach dem Start in Richtung London, als der Flieger über den Vogesen aus dem Dunstmeer sich erhob, stand die ganze Schweizer Bergwelt Spalier. Blauer, reiner Himmel, alle Bergspitzen vom Säntis bis zum Monte Rosa-Gebiet, sie alle standen im herrlichsten Weiss des glitzernden Firns, einer neben dem andern und gaben mir einen letzten stummen Gruss der Heimat. Ist es verwunderlich, wenn die Augen feucht wurden? 

Kaum war dieses eindrückliche Bild den Augen entschwunden, sinnierte ich: Und jetzt? Wie sich dann die Gedanken plötzlich selbstständig machten, weckte mich die Hostess in die Realität zurück und verabreichte mir ein Sandwich. Wie ich da hineinbiss, musste ich vor dem Herunterschlucken das undefinierbare Etwas in meinem Mund zuerst in dem in meiner Hand verbleibenden Teil untersuchen. "Mein Gott was soll das?" schoss es mir durch den Kopf. Hat da der Sandwich-Architekt eine neue Modeschöpfung kreiert? Die Untersuchung blieb erfolglos, erst das Etikett gab Aufschluss über die Komposition. Fleisch und Apfel. Eigentlich nicht so abwegig, aber für den Gaumen doch äusserst gewöhnungsbedürftig. "Ja mein Lieber", kam der nächste Gedanke, "dies ist eine Entsprechung. In Zukunft wird noch Manches an dich herankommen, das dir ungewohnt ist. Schluck es runter!" Das war die innere Stimme. Wie immer, sollte sie auch dieses Mal recht behalten. 

Auf dem zwölfstündigen Flug von London nach São Paulo gab es natürlich reichlich Gelegenheit zur Stillen Zeit. Auch wenn die Motoren mit einem recht hohen Pegel dröhnten, ist das Geräusch oder der Lärm keine Störung für die Stille Zeit. Dies ist ja nicht eine Frage von Dezibels, sondern der Ausdruck "Stille Zeit" will sagen, dass keine fremden Gedanken, welche sich selbständig machen wollen, die Betrachtung oder das Gebet stören. Stille Zeit ist im grössten Lärm möglich. 

Der Flug war ruhig und bequem, hatte ich doch drei Sitzplätze für mich allein. 

Am internationalen Flughafen Guarulhos wurde ich von Nilce in Empfang genommen und weniger als eine Stunde später waren wir im Chácara bei Santa Isabel. Diese Stadt hat etwa zwanzig Tausend Einwohner und ist sechzig Kilometer von São Paulo entfernt. Das Chácara ist ein liebliches Anwesen, direkt nach Osten an einem Hügel gelegen. Das Grundstück ist etwa hundert Meter breit, und umfasst die ganze Höhe des Hügels, in dessen Mitte sich das Gästehaus, der Parkplatz, der Swimmingpool und das kleinere Gebäude mit zwei Einzimmerwohnungen und der gedeckten Freiluftküche befindet. Auf zwei Seiten des Anwesens ist geschlossener Urwald, kaum begehbar. Auf der einen Seite ist ein anderes Chácara, von dem man aber kaum etwas wahrnimmt, da alles im dichten Grün ist. Wie oben schon erwähnt, gibt es viele exotische Fruchtbäume, herrliche Blumenpracht und blühende Sträucher. Der nahe dichte Wald beherbergt viele Tiere, deren Namen ich noch nicht kenne. Schlangen und Spinnen sollen hier auch heimisch sein, habe aber auch bei früheren Besuchen noch nie das Vergnügen gehabt, diese inkarnierten Naturgeister zu sehen. Papageien, Singvögel und  grosse Schmetterlinge erfreuen immer wieder Herz und Seele. Hin und wieder kann es vorkommen, das man Besuch einer wildlebenden Affenfamilie erhält. 

Nilce, meine Partnerin ist achtundfünfzig Jahre alt und hat einen dreissigjährigen noch ledigen Sohn Daniel und eine siebenundzwanzigjährige, verheiratete Tochter Anamarta.  Nilce hat das Chácara als alleinstehende Frau selbst aufgebaut. Auf bewaldetem Terrain hat sie in sechzehn Jahren das daraus gemacht, was es heute ist. Dabei hat sie selbst unermüdlich mit Pickel und Schaufel, mit Maurerkelle und Ziegelstein, mit Säge und Axt, mit Nägel und Hammer aber auch mit kundiger Hand alle die Gartenarbeit erledigt. Dass das Anwesen einen Teil von ihr selbst geworden ist, ist kaum wegzudenken, und dass alle ihre Liebe und Aufmerksamkeit diesem Chácara gilt, auch nicht. 

Nilce stammt, wie die meisten Brasilianer katholisch, aus einer Farmerfamilie, ist das zehnte von vierzehn Kindern. Seit einiger Zeit ist sie auch auf dem Weg des Glaubens an unseren Erlöser Jesus Christus Sie erstarkt immer mehr in der Erkenntnis, dass nicht nur der Glaube selig macht, sondern dass die Liebe, das Licht und die Kraft Gottes nicht ausserhalb von uns, sondern im Innern wirksam sein muss. 

 

Die Installation 

Die Situation in dieser Idylle hat sich kurz vor meiner Ankunft etwas geändert. Infolge eines unerwünschten Besuches von vier Männern leidet Nilce an einem Trauma. Obschon dieses Quadrillhe bereits hinter Schloss und Riegel sind, will sie nur noch tagsüber im Chácara sein und hat deshalb im vier Kilometer entfernten Santa Isabel für sich eine kleine Wohnung gemietet.  

Dass sich das Problem mit dem Trauma wieder legen wird und sie dies verarbeiten kann, davon bin ich überzeugt. Sie wächst im Glauben und weiss heute, dass alles, was im Leben passiert, einen weisen geistigen Hintergrund hat. Ihr Herz ist vom Chácara frei geworden, da sie nicht mehr mit ihrem ganzen Leben daran hängt. Seit ihr das klar geworden ist, sieht sie die ganze Sache etwas lockerer, will aber trotzdem nachts dem Chácara fernbleiben, natürlich nur dann, wenn keine Gäste im Haus sind.  

Für mich gibt es nicht den geringsten Zweifel, dass nichts ohne den Willen Gottes geschieht. So habe ich weder vor Menschen noch vor Tieren Angst, egal was sie anstellen. Ich lebe im Chácara Tag und Nacht, besuche in der Regel nur am Sonntag die Stadtwohnung, da dort das Internet eingerichtet ist. 

Mit dieser Lösung kann ich meinen "Traum" leben. Ich habe mich in der kleinen Einzimmerwohnung eingerichtet, welche mehr einer Klause als einem Appartement gleicht. Ohne Technik, ohne Strom (dies betrifft nicht das Gästehaus!) allein nur mit dem Holzfeuerherd. Dass ich keinen Fernseher habe, brauche ich ja nicht extra zu erwähnen. Doch davon wird sicher später einmal die Rede sein. 

Warum ohne elektrischen Strom? Weil dies so ganz zum Einssein mit der Natur passt - aus der Erkenntnis heraus, dass während des Tages, wenn es hell ist, die materiellen Arbeiten und Betätigungen im Garten erledigt werden können, und nachts auf natürliche Weise die Sicht durch die Dunkelheit eingeschränkt ist und damit die Aussenlebenserfahrung möglichst eingestellt werden. Anstelle dafür wird die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet, was dem seelischen und geistigen Wachstum förderlicher ist. Dies ist die natürliche Balance, die richtig gelebte Polarisation. Wenn die Nacht zum verlängerten Tag gemacht wird, so leidet dann der geistige Aspekt des Lebens und damit die seelisch-geistige Entwicklung. Dass hier der Fernseher seine seelentötende Funktion voll zum Einsatz bringen kann, ist offensichtlich. Auch die Folgen davon in der Gesellschaft. (Mein früherer Arbeitgeber ist sicher froh, dass ich diese Erkenntnis erst nach meinem Weggang bekommen habe (:-)) 

Mein Tagesablauf hat sich nun ganz nach den geistigen Bedürfnissen eingespielt. Beim Anbruch der Morgendämmerung (etwa fünf Uhr morgens) stehe ich ausgeruht auf, setze mich im Söller (siehe Foto) in Richtung Osten und betrachte den werdenden Tag und den Sonnenaufgang. Diese Zeit ist voller Entsprechungen, die viele Erkenntnisse geben. Nach Sonnenaufgang beginnt die eigentliche Arbeit, welche durch die Hanglage und die herrschenden ungewohnt hohen Temperaturen recht erschwert werden. Zuerst bekommen die vier Hühner Friedolin, Rosa, Berti und Anni eine kurze Morgenmahlzeit und erhalten dann Ausgang. Danach will die dreijährige (wer weiss das so genau?) Hündin Käthe versorgt werden. 

Als dritte Arbeit wartet die einzig verbliebene materielle Errungenschaft, der Swimmingpool, seiner täglichen Reinigung.  Danach gilt die ganze Aufmerksamkeit den zahlreichen Fruchtbäumen und dem Garten, dem Anpflanzen, dem Säen und Ernten. Da das Wachstum aller Pflanzen durch das warme Klima und den fast täglichen, meist kurzen Regen sehr begünstigt wird, müssen auch die Wiesen und Rasenflächen recht fleissig gemäht werden. Obschon mir das etwas gegen den Strich geht, ist es von grossem Vorteil, weil sich im hohen Gras gern die Schlangen einnisten, Die Besucher sind jedenfalls recht dankbar für diese Massnahme. 

So, ich denke fürs Erste einmal den "Gwunder" gestillt zu haben. Im nächsten Brief werde ich über meine ersten geistigen Erfahrungen, eine Krankenheilung, über das natürliche Leben der Brasilianer,  die wichtigsten Kulturunterschiede und über das Verhältnis São Paulo zu Hanoch schreiben. 

Was an dieser Stelle nicht fehlen darf, ist meinen Deutschen, Oesterreichischen und Schweizer Freunden und Glaubens-Geschwister eine herzliche Einladung zu übermitteln.

 

Ich habe ein ungefähres Programm zusammengestellt  (mit oder ohne Fasten) für  - Wochenseminar "Vorbereitung zur Heilung" (aktiver Workshop)- Vetiefungswoche zu obigem Seminar.

(Mehr dazu auf Anfrage)

 

Man kann aber auch einfach von hier aus im Land herumreisen und vieles Interessantes sehen. Nilce ist fleissig am Deutsch lernen und freut sich riesig auf Besuche. 

Nun wünsche ich Euch allen Gottes reichen Segen und verbleibe mit offenem Haus und Herzen

Hans Künzle

                                             

 

 

Santa Isabel, Ende Juli 2009

 

Meine lieben Freunde und Geschwister,

Friede sei mit Euch!

 

Nun ist es wieder einmal Zeit, dass ich etwas von mir hören lassen will. Zuallererst aber möchte ich all den vielen Lieben danken, die mir geschrieben haben, sei es per E-Mail oder per konventioneller Post. Es hat sich damit ein reger gegenseitiger Gedankenaustausch entwickelt und lässt mich eine tiefe Verbundenheit spüren mit allen. Es hat mich beeindruckt, dass in vielen Zuschriften dieselben Fragen und Nöte zum Ausdruck kommen. So geht es immer wieder darum, dass trotz vieler Bemühungen auf dem steinigen Weg aus der Weltliebe und was damit noch zusammenhängt (Luziferische Abhängigkeit) und weg von der Fleischbegierde (Adamitische Abhängigkeit) viele Rückschläge und/oder kaum Fortschritte erzielt werden kann. Da dieses wichtige Thema grosses Interesse bei all denen findet, die den Weg des Glaubens sich als erklärtes Ziel vorgenommen haben und sich nicht davon abbringen lassen wollen, werde ich in diesem Freundesbrief näher darauf eingehen. Nun aber beginnen wir am Anfang ...

 

Wärme und Liebe

 

... eines Tages im Mai. Es ist Herbst, die Tage werden kürzer, die Nächte länger und merklich kühler. Für jemanden der sich an mitteleuropäische Verhältnisse gewöhnt ist, beginnt jetzt eine sehr angenehme Zeit, da die Nächte nicht mehr dreissig Grad warm sind, sondern nur noch zwanzig. So machte ich mich auch heute früh auf, um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen. Es ist noch dunkel, der glänzende Mond scheint hell und triumphiert mit seinem geliehenem Licht über die gedämpfte Helligkeit der fernen Sterne. Unser niedliches Anwesen liegt am steilen Osthang eines grünen Hügels, auf dessen frisch gemähter Spitze ich mich allmorgendlich  niederlasse. Der helle Mond kann sich ja nur bei Abwesenheit des Sonnenlichts bemerkbar machen und täuscht so das Lebenslicht für alle diejenigen vor, die in der Nacht wandeln. So geht es mir durch den Kopf, dass der kalte Mond als vermeintlicher Lichtspender wohl eine gewisse Helligkeit von sich geben kann, aber die Wärmestrahlung, die fehlt ihm. So ist es doch auch bei uns. Schnell einmal können wir Licht aussenden, was in der Entsprechung Erkenntnis, Weisheit und Wahrheit ist, aber die Wärme, die Liebe, kann immer noch fehlen. Wie mir diese Gedanken heute am frühen Morgen so durch den Kopf gehen, wusste ich noch nicht, dass am selben Abend mir diesbezüglich eine harte Lektion fürs Leben erteilt werden soll.

 

Noch während ich so sinnierte, bemerkte ich einen kleinen Farbunterschied im fernen Osten gegenüber den andern Himmelsrichtungen. Also, es ist soweit. Nun beginnt die Dämmerung wie ein leichtes Ahnen des noch verborgenen Tages. Eine unumkehrbare Veränderung des Horizontes zeichnet sich ab. Meine Gedanken gehen zurück in meine Kindheit. Hat meine Mutter nicht jeden Abend mit mir gebetet und mir damit ein Samenkorn ins Herz gelegt? Dieses Samenkorn benötigte auch eine Dämmerungszeit, allerdings eine viel, viel längere, wobei das glitzernde Mondlicht noch lange Zeit und viele Jahrzehnte das einzig glänzende Licht vortäuschte bis dann die nötige Veränderung des Horizontes in den ersten Zügen erkennbar wurde.

 

Nun hat der eilende Mond den Scheitelpunkt passiert, und beleuchtet meinen Rücken. Gegen Morgen (Osten) kann ich bereits einige feine Wolkenstreifen in der Ferne über der noch unerkennbaren Bergkette ausmachen. Wenn diese dunklen Wolkenstreifen dort bleiben wo sie jetzt sind, werden sie mir die aufgehende Sonne verdecken! Einen Hauch von leichter Resignation breitete sich in meinem Bauch aus. Doch schon stellte sich der rettende Gedanke ein: Nimm alles so wie es ist, denn alles ist für etwas gut - oder anders gesagt: alle Dinge dienen zum Besten! Ja klar! Wie kann ich nur so blöd sein, schon wieder etwas anders haben zu wollen, als wie es ist? Diese Zeit hier oben auf dem Hügel ist ja Stille Zeit. Hier soll ich ohne Erwartung das alles so nehmen wie es ist. Ich weiss das zwar schon längere Zeit, aber immer wieder gibt es Momente, wo das luziferische Ego eine gegebene Tatsache nicht so annehmen will wie es eben ist. Woher kommt das? Ich stelle mir die Frage selbst. Die Antwort, die innere Stimme, lässt nicht lange auf sich warten: Im Bauch halten sich die unreinen Naturgeister auf, diejenigen, die es zuerst zu beherrschen gilt. Nun wusste ich, warum die Wolkenstreifen über dem Horizont waren und was sie zu bedeuten haben! Sofort kommt mir die fast vergessene Erinnerung, dass ich schon einmal einen solchen Naturgeist gesehen habe. Das Aussehen tut eigentlich überhaupt nichts zur Sache, denn diese Wesen können und werden ihre  Erscheinung ständig verändern. Also dieser (mein) Ego-Geist, um den es sich hier handelt, zeigte sich einmal, es mag etwa ein oder zwei Jahre her sein, als Mann. Seine Kleider waren dunkel aber von bester Art, seine aufrechte Haltung strotzte vor Selbstvertrauen. Der sehnige Körper kraftvoll. Nur - Sein Gesicht war etwas abartig. Sein Kopf war nämlich ein Schweinekopf mit Ohrpirsing, sein Lächeln höhnisch und falsch. Ja, solche Kerle machen uns oft das Leben schwer und wir wissen es nicht. Wir wandeln in Unkenntnis, in der dunkelsten Nacht.

 

Der blanke Teil des Himmels nimmt jetzt immer mehr an Helligkeit zu, die Wolken und Wölkchen werden nun immer erkennbarer. Schon erwacht die Tierwelt. Ein Sambiá, ein Singvogel ist der Erste und mit seinem Morgengesang weckt er die anderen. Die Grillen beginnen zu zirpen und schon ist auch Fridolin zur Stelle. Wahrscheinlich hat er sich heute etwas verschlafen, denn normalerweise ist er der Erste und kräht sein Morgengebet aus voller Kehle seinen Hennen vor. Nun erwacht die Natur. Und damit sind auch schon die ersten rötlichen Schimmer an den dunklen Wolkenunterseiten bemerkbar. Ist es nicht auch mit unserem Leben so?  Plötzlich verliert der Mond in seinem schönsten Glanze seine Wichtigkeit und viele neue Facetten des Glaubenslebens machen sich auf einmal bemerkbar, von denen man keine Ahnung hatte bis sie sich im Leben zeigen. So hat alles, was man an einem solchen wunderschönen Werden eines Tages sieht, seine tiefere Bedeutung. Die innere Stimme macht auf alles aufmerksam und wenn auch jeden Tag die Dämmerung bis zum ersehnten Sonnenaufgang sich in etwa gleich abspielt, ist doch jeder Sonnenaufgang etwas Besonderes und bringt wieder neue Gedanke und neue Entsprechungen ins Bewusstsein. So sind etwa die Wolken heute Morgen immer dieselben, aber postwendend erscheinen sie in einem neuen Licht und neuen Farben. So ist es auch im Glauben. Die Wolken, welche ja immer da sind, erscheinen in jedem Moment und für jeden wieder anders. Einmal schwer und dunkel, ein andermal leicht und fröhlich. Aber wir schauen ja nicht auf die Wolken, sondern auf die aufgehende Sonne.

 

Immer heller wird es nun. Die verschiedenen Wolkenbänder verziehen sich nicht, jedenfalls nicht dasjenige, welches just an dem Fleck weilt, wo ich die ersten Sonnenstrahlen erwarte. Aber noch ist es nicht soweit. Fast alle Sterne strahlen nämlich noch - die meisten ihr eigenes Licht. So auch die vier Sonnen im Ehrfurcht gebietenden "Kreuz des Südens", wie das Sternbild genannt wird. Es ist nur in der südlichen Hemisphäre zu sehen. Auch wenn man im Allgemeinen die Sternbilder nicht versteht, diese signifikante Konstellation erkennt man sofort.

 

Ich sehe zum scheidenden Mond. Beleidigt, ausgedient zu haben, verzieht er sich hinter einen nahen Hügel und sein Schein ist sofort nach seinem schnellen Verschwinden nicht mehr auszumachen.

 

Vor mir wird nun das schnell wechselnde Farbenspiel imposant. Gelb und Rot in allen Schattierung zeichnen nun alle kleineren und grösseren Wölkchen bis nach und nach das gesamte Firmament mit den schönsten kolorierten Farbtupfer überzogen ist. Dazu steigt aus den drei vor mir liegenden und etwas tiefer gelegenen Tälchen Nebel herauf. Wie auf Kommando erscheint in jedem Täli dieser Dunst zur genau gleichen Zeit, und wie sie die Höhe etwas über dem grünen Hügelkamm erklimmen, löst sich der trübe Nebel wie von unsichtbarer Hand gesteuert wieder auf - die klare Sicht in die weite Ferne bleibt ungetrübt. So erscheinen ja auch in unserer persönlichen Dämmerung immer wieder Nebelschwaden, die sich aber selbst ins Leere ziehen und die klare Sicht, die Wahrnehmung und das Bewusstsein nicht allzu fest beeinträchtigen können.

 

Auf dem Hügel habe ich eine unermessliche Weite brasilianischer Landschaft von etwa fünfzig Kilometer oder noch mehr bis in der Ferne gegen Morgen eine Bergkette in dieser Frühe noch kaum auszumachen ist.

 

Der ganze Landstrich ist nun im vollen Licht - Aber die Sonne ist noch nicht sichtbar, obschon sie eigentlich über dem Horizont sein müsste. Das hartnäckige Wolkenband hat sich nicht verzogen, es verdeckt das aufgehende Licht. Dafür kündigt deren Rand mit seiner weissen, gleissend-hellen Farbe ein wunderschönes Schauspiel an - und weckt entsprechende Gedanken in meinem Herzen. Jesus sagt oft, Er sei die Sonne des Lebens, und Er sagt auch, dass der Menschensohn in den Wolken erscheint. Was sind denn diese geistigen Wolken? Die Dämmerung ist zu Ende, der Tag geboren. Licht und Wärme sind da - aber die Sonne sehen wir nicht, obschon wir wissen, dass sie scheint. So ist es doch auch mit der Wolke, von der Jesus spricht, in welcher Er kommen wird. Diese Wolke kann die Bibel, die Kirche oder das genaue Wissen um beides sein. Wieviele Menschen suchen Gott in der Bibel, in der Natur oder in der Kirche! All dies zeugt von Gott, vom Vater Jesus, aber Ihn finden wir niemals weder in der Bibel, noch in der Natur oder in der Kirche. Sie alle drei sind lediglich Wegweiser und zeigen dorthin, wo Er zu finden ist: Im eigenen Herzen! Vergöttert man die Bibel, die Natur oder die Kirche, so steht diese vor dem erlebbaren Gott wie die Wolke vor der Sonne.

 

Aber wie die meisten Sonnenaufgänge, wenigstens in Brasilien und in dieser Jahreszeit, von einer kleineren oder grösseren Wolke sekundiert wird, so erscheint die klare, helle, kräftige und heisse Sonne  dann doch. So auch an diesem Morgen. Nach dem grandiosen Farbenspiel unter der bizarren Wolkenform stehe ich plötzlich in der Hitze eines subtropischen frühen Tages. Mit dieser Wärme spürbar auf der Haut und dem Licht erfüllt in meinem Innern, suche ich nun, was es heute zu tun gibt, welche Arbeit auf mich wartet.

 

Die Arbeit bestand an jenem warmen Maitag im mühevollen Anlegen eines Gemüsegartens. Natürlich war da nicht nur ein Tag vonnöten, sondern viele Wochen und bin heute noch dran, weil immer wieder andere Arbeiten, etwa Unterhaltsarbeiten am Haus oder den Anlagen anstehen. Aber ich weiss noch, wie ich an diesem Abend müde, ja richtig kaputt war. Nilce meinte, ich solle sie für heute in die Stadtwohnung begleiten, es sei ja absurd, alleine im Chacara zu bleiben. Das sagte sie aber nicht nur an jenem Abend, das sagt sie jeden Tag. Es war ein "Kampf" der fast drei Monate dauerte, bis sie begriffen hat, dass mein Leben nicht in der Stadt sein kann. Der Geist, der in der Stadt lebt und webt ist eben ein anderer als dort im Chacara. In der Stadt gibt es Pflichtbesuche bei den Familien der beiden Geschwister von Nilce. Auswärts essen, ein Bierchen und und und ... Genau deswegen bin ich ja in dieses ferne Land gezogen um in der Ruhe und Stille vom Weltgetriebe freizukommen und zu bleiben. Ich habe auch stets das Bild vor Augen wie in der "Haushaltung Gottes" beschrieben, wie die Kinder der Höhe zu den Kindern Hanochs zogen und das Treiben und Tun Hanochs liebgewannen. Sie vergassen den Grund, warum sie nach Hanoch geschickt worden sind. Ich kann die Schwierigkeiten verstehen. Hat man einen Partner, so fordert die Liebe - die Nächstenliebe - oft seinen Zoll! Was steht höher, die (Nächsten-)Liebe oder die höheren Ideale? Fast täglich wurde ich mit dieser Frage konfrontiert. Nun ist diese Frage geklärt und ich bleibe unbehelligt nachts allein im Chacara. An jenem Abend aber im Mai, wollte ich auch bleiben, habe aber dann nachgegeben  und bin mit ihr in die Stadt zu fahren. Denn am frühen Morgen wurde mir ja in Erinnerung gerufen, dass alle Dinge zu besten dienen ...

 

Es war kurz vor acht Uhr, als ich mich hinlegte und meinem Rücken die wohlverdiente Entspannung gönnte. Die nigelnagel neue Wohnung umfasst ein grosses Zimmer nebst Bad und Küche. Türen und Fenster sind nicht dicht, wie man es in Europa gewohnt ist. Ob das Fenster oder die Türe geöffnet oder geschlossen ist spielt keine Rolle, der Lärm ist genau so wie der Durchzug der Luft. Alles ist Leichtbauweise.

 

Als ich mich nun so wohlig ausgestreckt hatte, hörte ich ein lautes Bum-BumBum einer tiefdröhnenden Pauke. Dass die brasilianische Lebensfreude sich in Lärm ausdrückt, habe ich schon vorher gelernt. Seien das kaputte Auspuffrohre an Töff oder Auto, Lautsprecherwagen die mit voller Wattleistung Musik-CD abspielen (auch morgens um drei Uhr), oder ad-Hock-Feste mit Lautsprecheranlagen in voller Pulle.

 

Klar, dass sich das alles (und meistens miteinander) auf dem Stadtplatz direkt vor unserem Fester abspielt. Nun, an diesem Abend kam noch diese Pauke dazu. Ich erhob mich um zu sehen, was da werden sollte. Oh mein Gott! Eine übergrosse Flagge eines bekannten Fussballvereins von Sao Paulo erwartet eine Fangemeinde! Ich auch! Dabei bringt sich noch ein Trommler in Position und beide stimmen sich für eine abendfüllende Unterhaltung ein.  Aber nicht etwa Samba-Musik, nein, stets und ausschliesslich denselben Bum-BumBum - Akkord. Nach und nach stellten sich die Fans ein. Die Bar unserem Fenster gegenüber hat keine Scheiben oder Türen, da alle Bars wie auch Läden immer zur Strasse hin offen sind. Also befand sich die ganze Fangemeinde auf der Strasse und dann tönte das so, wie sie neben meinem Bett stünden. Um neun Uhr begann der Match und pausenlos tönte das Bum-BumBum und der einfältige Sprechchor "Pal-mei-ra". 

 

Der Tag, der so gut angefangen hat mit dem herrlichen Sonnenaufgang, soll nun so enden? Ist das die wohlverdiente Strafe, weil ich in die Stadt gegangen bin? Ja, so wird es wohl sein. Ich versuchte den Lärm zu ignorieren. Einfach nicht hinhören! Denken, morgen sei alles vorüber. Ja, ich versuchte alles. Dabei war ich so müde, dass ich mich kaum auf die Füsse stellen mochte. Nach einer Stunde musste ich feststellen, dass ich mich ärgerte über das Gehabe da draussen. Nicht der Lärm der Betrunkenen ärgerte mich, sondern das Mark und Bein durchdringende Bum-BumBum. Nach einer weiteren Stunde, mein Gefühlsleben hat den Siedepunkt erreicht und es wäre unschicklich, es an dieser Stelle genauer zu beschreiben, ich wusste nicht mehr ein noch aus. In meinem Kopf hämmerte und dröhnte es und er drohte zu zerspringen. Brasilianische Lebensfreude gepaart mit Fussball! Aber ich bin kein Brasilianer!

 

Der Tag, der so gut angefangen hat mit dem herrlichen Sonnenaufgang hat mir nun meine Grenzen, mein Limit aufgezeigt. Ich dachte zurück an den frühen Morgen. Alle Dinge dienen zum Besten. Nun, Herr, wie ist es nun damit, mit diesem Bum-BumBum? Wofür soll dieses gut sein? Ich haderte nicht, aber ich konnte den Sinn einfach nicht einsehen. Braucht es nicht eine genügende Portion Dummheit, einen Fussballmatch in dieser Art und Weise zu begleiten?

 

Plötzlich war es mir, ich soll in die Stille gehen. Ja, das ist kein Witz! Trotz dieses fürchterlichen Lärms war es möglich, Stille Zeit zu machen, denn Stille Zeit hat ja nichts mit Dezibels, sondern mit der Gedankenruhe zu tun. Schon als ich mich darum bemühte, schwand der Ärger und ich wollte nun wirklich vom Herrn wissen, weshalb die ganze Situation hier sich Seines Willens erfreute. Und wie schon einmal an diesem Tag, die Antwort die schon lange in meinem Innern unerkannt schlummerte, kam mir postwendend ins Bewusstsein. Die innere Stimme zeigte mir nun, was Nächstenliebe ist. Nächstenliebe heisst, dem Nächsten eine Freude zu bereiten. Sei diese Freude noch so klein und unbedeutend, in jedem Fall erhellt sie sein Herz und beflügelt sein Gemüt. Die allerkleinste Freude, welche man einem Menschen machen kann, ist ihm seine Freude gönnen und diese seine Freude mit unserer Liebe begleiten. Dabei ist es ja unerheblich ob uns diese seine Freude stört, oder wie in meinem Fall, so tüchtig auf die Nerven geht. Tausche ich mein Denken, meinen Ärger in begleitende Liebe, dann habe ich - für die geistige Welt sichtbar - ihm eine Freude bereitet, habe Nächstenliebe geübt. Weiter sah ich klar ein, dass die Freude seiner Seele sich im Paukenschlag äussert, da seine Seele nun mal so beschaffen ist. Es ist ja nicht an mir zu bestimmen, wie sich die Freude anderer äussern soll.

 

Das sass. Diese Antwort hätte ich nie erwartet. Das war eine Lektion, die mir im Weiteren viel geholfen hat, alles zu ertragen. Die Liebe  … sie lässt sich nicht erbittern … sie erträgt alles … sie duldet alles … die Liebe hört niemals auf …

 

 

Der Tod Fridolins

 

Fridolin war bereits ein älterer Herr. Seine Kraft hat nachgelassen und den Zweck seines Dasein sah er nur noch darin, seinen drei weiblichen Gespanen Gesellschaft zu leisten. Seine grösste Freude war, täglich den allerdings recht niedrigen Zaun zu überspringen und seine drei Hennen mit in die vermeintliche gelobte Freiheit zu führen. Die drei Hühner folgten dem Güggel jeweils mit Freude und sie unternahmen zusammen ausgedehnte Wanderungen innerhalb der gesamten Chacara-Landschaft und frönten da und dort ihrem Scharrtrieb und hinterliessen manchenorts ihren wertvollen Naturdünger. Doch eines Tages, ich sah die vier wie sie hintereinander quer zum Hügel Richtung Wald marschierten, waren plötzlich alle drei Hennen nachmittags schon um drei Uhr, zu äusserst ungewöhnlicher Zeit, im Stall auf dem obersten Stängeli. Das wunderte mich. Wo ist der Güggel? Ich alarmierte Nilce, vielleicht weiss sie, was das bedeuten soll. Und sie wusste es. Da sie auf einer grossen Fazenda (Bauernhof) aufgewachsen war, kannte sie alle Facetten des bäuerlichen Lebens mit den Tieren. "Fridolin wurde Opfer eines Bichos", meinte sie. Bichos ist der Sammelbegriff für Tiere die dem Menschen nicht "nutzbar" sind und irgend eine Gefahr bedeuten. Ich hegte aber dennoch Hoffnung, dass er sich vielleicht verlaufen hätte. Also ging ich ihn suchen. Unweit, in der Nähe des Waldes fand ich ihn. Nilce hatte recht. Er wurde Opfer, vielleicht eines Fuchses oder eines anderen Raubtieres.

 

Ich kehrte zurück in den Hühnerstall und erstaunte ob dem Verhalten der Hennen. Wahrscheinlich hatten sie den Vorfall mit angesehen, denn sie waren total verstört, keine bewegte sich auch nur um einen Deut. Kein Gegacker, kein Laut - sie sassen da wie ausgestopft. Und das drei Tage lang! Ich traute meinen Augen nicht, wie ist das möglich! Sie frassen nichts, nicht ein Körnchen. Am dritten Tag dann kam wieder etwas Leben ins Gefieder und nach zwei weiteren Tagen hatten sie sich scheinbar vollends wieder erholt. Aber keine überflog den Zaun, sie blieben im geräumigen Hühnerhof. Dieses Vorkommnis erstaunte mich und gab mir zu denken. Hühner sind dumm. Hühner sind blöd. Alles was sie können, ist gackern. Das ist die landläufige Meinung. Aber Hühner sind nicht dumm. Sie sind auch nicht blöd und das gackern ist ihre Kommunikation, die, wenn sie verstanden wird, recht aussagekräftig ist. Haben Hühner Gefühle? Ich glaube schon. Hühner sind, wie alle Tiere, inkarnierte Naturgeister, welche einen gewissen Stand ihrer Naturseelenentwicklung innehaben. Und in dem Entwicklungsstand der Hühner, so glaube ich, sind ein gewisses primitives Bewusstsein und erste Ansätze von Gefühlen und Empfindungen bereits vorhanden. Bei Schafen und vor allem bei Hunden ist diese Entwicklung dann schon weiter fortgeschritten. Dass dies so ist, hat mir die weitere Beobachtung der Hennen bestätigt. Hühner haben auch Charaktereigenschaften, die sich sehr stark voneinander unterscheiden. Da nun der anerkannte Anführer fehlte, ist die gewohnte Hierarchie gestört und es galt eine neue Ordnung aufzubauen. Wie in der Politik und grossen Betrieben, haben auch die Hühner eine Hackordnung, die sie ebenso geschickt wie gnadenlos einsetzen wie die ersteren, um das oberste Stängeli für sich allein zu besetzen. 

 

Nach etwa zwei Wochen meinte Nilce, und sprach mir damit aus dem Herzen, dass wir einen neuen Güggel besorgen sollten. Fridolin hat es zu seinen Lebzeiten nicht mehr geschafft für Eier zu sorgen, die von den Hennen dann auch bebrütet werden konnten. Mit einem neuen Hahn sollte dies dann wieder möglich sein, und wer weiss, vielleicht bevölkern dann schon bald junge Bibeli den Hühnerhof. Gesagt, getan. Der neue Hahn, schön, stolz, jung und dynamisch. Lustig war es zuzusehen, wie die Alpha-Henne Berti glaubte den neuen Herrn traktieren zu können. Es gelang ihr, in der ersten Nacht ihn auf das unterste Stängeli zu verweisen, was er gnadenvoll annahm und so in Demut die Aufnahme in diesen Frauenverein bestand. Am nächsten Tag änderte sich dies aber gründlich. Er zeigte, wer der Meister ist und hackte sich in kurzer Zeit nach oben. Alles Futter gehört jetzt ausschliesslich ihm allein und nur seiner Gnade und Grosszügigkeit ist es zu verdanken, dass die Hennen auch ihren Teil davon abbekommen. Sein Stolz ist sprichwörtlich. Nur wenn er kräht, oder besser gesagt, krähen sollte, bekommt sein Stolz einen Knacks, da dieses Krähen nur ein armseliges krächzen ist wie wenn er sich noch mit seinem Stimmbruch in der Pubertät befindet. Aber er übt fleissig, und er wird es schaffen. Jedenfalls sind zurzeit die Hennen am brüten, was für die Qualität Herrmanns spricht.

                                                      

 

Herrmann mit Familie

 

Den Zaun um den Hühnerhof habe ich übrigens erhöht und die Tiere bleiben nun da, wo sie hinghören.

 

 

Das Doppelleben Käthe's und seine Folgen

 

Käthe (im saopaulischen Dialekt: Keitschi), unser Hund kam vor drei Jahren auf den Hof. Wie alt sie damals war, kann nicht genau gesagt werden. Auch die Rasse ist wahrscheinlich eine edle Strassenmischung, aber dies ist sicher: ein passionierter Jäger, wie es sich herausgestellt hat. Langezeit wusste niemand etwas davon. Ihre Anhänglichkeit und Folgsamkeit waren beinahe mustergültig. Schnell lernte sie Deutsch. Ohne Probleme, nur mit viel Liebe lernte sie rasch "Sitz",  "Platz" und „Fuss“, halt die so gängigsten Hunde-Kommandos - sehr zur Freude unserer Besucher. Denn hierzulande ist es nicht bekannt, dass man einem Hund etwas befehlen kann, und er das dann auch tut.

 

In der letzten Zeit war es auffällig, wie Käthe den ganzen Tag über nur herumlag. er schien krank und wurde von Anamarta, der Tochter Nilce's mit Medikamenten versorgt. Gegen welche Krankheit sie behandelt wurde wusste allerdings auch sie nicht - denn sie war nicht krank! Auch ein Hund muss einmal schlafen, da auch ein Hund müde wird. Ja, er am liebsten tagsüber im Hühnerhof, ungeachtet dessen, dass die Hühner ihm steht vor der Nase herumtanzten. Dies wunderte mich ein bisschen, aber ja, auch Hunde können ihre Macken haben. Auf einmal hat sich herausgestellt, warum diese Käthe tagsüber schlief. Sie führte ein Doppelleben. Sie war nachtaktiv und statt das Chacara zu bewachen, durchzog sie das Tälchen und suchte Hühner, die sie jagen und reissen könnte! Sie hat immer wieder welche gefunden, die nicht eingesperrt waren. Ist Fridolin Ihr zum Opfer gefallen? Nein. Zu diesem Zeitpunkt schlief sie im Hühnerhof, ich erinnerte mich genau!  

 

Wir hörten in letzter Zeit oft, dass Hühner gerissen wurden und ein Nachbar will einmal gesehen haben, dass Käthe der Jäger war. Aber wir glaubten das nicht, da er ein ausgezeichnetes Verhältnis mit dieser Spezies zu haben schien. Wir versuchten es dann, aber Anketten oder einsperren, das war unmöglich. Wenn ich sie in Ihrer Freiheit einschränkte, führte sie ein solches Spektakel aus, dass ich sie wieder frei lassen musste. Zäune waren ihr nie ein Hindernis, höchsten Mauern wenn sie mindestens zwei Meter hoch waren.

 

Dann geschah es. Eines Nachts hörte ich zwei Schüsse und dachte mir, dass es Jugendliche auf der nahen Autobahn waren, welche sich einen Sport daraus machen auf Verkehrssignale zu schiessen. Wie sich dann aber herausstellte, galten diese Schüsse nicht der Strassendekoration, sondern Käthe. Und der Schütze war nicht ein Jugendlicher, sondern ein geschädigter Hühnerbesitzer, dem das Treiben des nächtlichen vierbeinigen Jägers zu bunt wurde. Nun, das war sein Recht, eine Schadenersatzforderung hat er (und andere) nicht gestellt.

 

An diesem Morgen kehrte Käthe nicht mehr zurück. Wieder habe ich ein Tier verloren, das mir liebgeworden war. Warum wohl? Noch habe ich die Antwort nicht, ausser dem Gefühl, dass auch diese Seele für die Naturseelenentwicklung gebraucht wurde.

 

Nun, so ganz ohne Hund kann ein Chacara, ein Sitio oder gar eine Fazenda nicht sein. Da in Brasilien die Hunde keine Mangelware darstellen, wurde es nicht allzu schwer, uns für einen kleinen Welpen zu entscheiden. Hunde sind gratis, wenn man nicht die Ansprüche auf ein absolut reinrassiges Tier erhebt, wo ja immer die Gefahr auf Ueberzüchtung mit einhergeht. Also, wir entschieden uns in einer Tierhandlung auf einen kleinen Welpen ebenfalls undefinierbarer Rasse, aber ein überaus niedliches Tier. Rosca, so ihr Name, wurde schon mit 35 Tagen der Mutter weggenommen und benötigt deshalb eine ganz besondere liebevolle Pflege. Nilce und ich sind uns aber in einem Punkt uneins. Sie behauptet, gestützt auf die Aussage des Tierhändlers, dass dieser Hund eine Hündin ist. Ich, gestützt auf gewisse anatomische Merkmale am Tier selbst, behaupte, dass es ein Mann wird. Nun, wir werden ja sehen, wenn er/sie beim Xixi-machen das Bein hebt - oder nicht. Jedenfalls haben wir die hellste Freude an und mit ihm/ihr.

 

                                           

 

Rosca kontrolliert das Bäumepflanzen.

 

Gerade bei der Entwicklung eines Welpen lässt sich gut beobachten, wie die Intelligenz bei einem Tier doch schon weit fortgeschritten sein kann. Die Lernfähigkeit ist enorm. Dabei erlernen sie die Welt und das Leben ja nicht durch Erklärung, sondern allein durch die Erfahrung. Und so lernte mich Rosca das Evangelium in zweierlei Hinsicht auf eine neue Weiseen. Zum Einen, wie sie ohne Erklärung, wie schon gesagt, schon bald selbst weiss, dass sie nicht in ein Gebäude eintreten darf, sondern ihr Lebensraum prinzipiell draussen oder in der Hundehütte ist. Auch kennt sie schon nach ein paar Tagen die ihr verbotenen Zonen. So geht es doch auch uns Menschen. Wir verstehen unsere Geistigen Lehrer oder Führer (den existenten und lebendigen Geist Gottes) nicht nach Worten und Erklärungen, sondern nach unserer Erfahrung. Natürlich haben wir materielle Hilfe wie die Bibel oder das Lorberwerk, aber schlussendlich gibt uns nur die Erfahrung die richtige Richtung. Krankheit, wirtschaftliche Not und andere Unbill sind dann die Signale, dass wir uns in den verbotenen Zonen aufhalten, oder anders ausgedrückt, dass wir nicht nach der Ordnung Gottes leben. Wenn der Mensch so intelligent wie ein Hund wäre, dann verstände er seine Intuition ebenso stark und deutlich wie der Hund seinen Instinkt. Aber der Mensch weiss nicht einmal, dass die Erfahrung dazu dient, ihn weiterzubringen, geschweige, ihn interessiert kaum, dass es vielleicht ratsam wäre, dem Blick in die Bibel vielleicht auch deren Taten folgen zu lassen, um seinem Leben endlich die richtige Richtung zu geben.

 

Zum Zweiten lehrte mich die kleine Rosca den Herrn nicht aus den Augen zu lassen. Auf den täglichen Rundgängen läuft sie immer so exakt neben mir und schaut bei jedem Schritt zu mir empor. Denn sie fühlt, dass sie die Gefahren noch nicht kennt und glaubt sich am sichersten, wenn sie in Tuchfühlung zum Meister steht. Ist es nicht so, dass wir die geistigen Gefahren auch nicht kennen und uns deshalb ebenfalls zu unserem Herrn und Meister halten und in Tuchfühlung zu bleiben trachten sollen? In ein paar Wochen, wenn Rosca etwas älter sein wird und ihre Nase sich entwickelt, ja dann wird auch sie die Düfte der Welt kennen lernen und wird die stetige Tuchfühlung zum Meister vernachlässigen. Ebenso so halten die Düfte der Welt (Weltliebe und Fleischbegierde) den Menschen der Ordnung Gottes fern.

 

Zu den strengsten Arbeiten auf dem Gut gehört das Mähen. Ein grosser Teil der Anlage ist Wiesland, das aber schon seit Jahren nicht bearbeitet wurde. Das Gras ist hoch, beziehungsweise lang, liegt und immer wieder mit dem neu gewachsenen Gras durchflochten und ist so zu einem ein Meter dicken Teppich geworden. Dabei ist es höchst gefährlich, da viele Spinnen (Vogelspinnen) darin wohnen und etliche Schlangen. Einen grossen Teil habe ich mit der Maschine mühsam gemäht, ein anderer Teil dann abgebrannt, weil es zu gefährlich war (wie Nilce meinte). Ob es wirklich Schlangen hat? Ja, eine habe ich gesehen und zwar recht nah. Wir beide hatten aber ziemlichen Respekt voneinander und deshalb haben wir uns nach kurzer Begrüssung  leidlich schnell getrennt. Sie zog es vor, auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden und mir was es recht so.

 

Nun was machen mit dem "gewonnen" Land? Zum einen Teil ist oben auf dem Hügel wo ich meine Sonnenaufgänge erlebe, ein richtiger Kraftort, wie schon etliche Besucher bestätigten, ehe ich dort wohnte. Die weite Sicht, die scheinbare Nähe des Himmels gibt ein ausgesprochenes erhabenes Gefühl wie etwa in der Schweiz, wenn man sich auf einem hohen Berg  befindet. Unser Nachbar, So-Dalpin, wollte schon seit einiger Zeit dort einen Meditationsplatz einrichten. Nun, wir werden sehen, was sich da machen lässt. Zum Andern habe ich etwa hundert Eukalyptusbäume gepflanzt, die uns in zwei bis drei Jahren Brenn- und Bauholz liefern. Dazu pflanzte ich Mais für die Hühner und für Polenta und ein kleinerer Teil der Fläche ist reserviert für eine kleine Weizenaussaat. Die Prognosen stehen zwar schlecht, da in der Grossregion kein Weizen gedeihen soll. Mag sein, wir werden sehen.

 

Aber mit dem anderen grossen Rest des Wieslandes ist im Moment nicht viel anzufangen. Fruchtbäume haben wir genügend. So kam die Idee auf, einige Schafe zu kaufen, die mähen gratis und mühelos und düngen ebenfalls kostenlos das Land. Jeden Dienstag ist Viehmarkt in Santa Isabel. und so kauften wir zwei Mutterschafe mit ihren drei Lämmern. Ja, jetzt haben wir einen richtigen kleinen Hof.  Jungtiere sind etwas Herrliches. Und bei Schafen ist es besonders interessant. Warum Jesus in Seinen Entsprechungen immer wieder auf die Schafherde Bezug nimmt, wird mir auch immer klarer. Schafe haben einen ganz besonderen Charakter. Jedes Tier unterscheidet sich vom anderen wie bei den Menschen. Das eine (schwarze) Schaf (Daily) ist "lammfromm", immer da, wo man es erwartet, das andere, das weisse  (Anza)genau das Gegenteil. Wenn es eine Gelegenheit gibt auszubüxen, selbst vom besten Weideplatz weg, so büxt es aus. Spielt keine Rolle, ob es hinter dem Hag besseres Futter gibt oder nicht. Schafe sind nicht dumm. Nein, sehr intelligente Tiere. Ich hatte einige Tage zu tun mit dem Erstellen eines Zaun, extra für Schafe. Dazu musste ich Bäume fällen, um Zaunpfosten herzustellen, Löcher graben und die Pfosten einsetzen. Dazu gibt es extra Werkzeuge, eine ganz gescheite Einrichtung, aber trotzdem mit Arbeit verbunden. Nun, der fünffache Stacheldraht gab mir dann die Sicherheit, die Schafe nicht mehr anbinden zu müssen, sondern im Freigehege einige Zeit sich selbst zu überlassen. Das funktionierte auch. Nur Anza, das weisse schwarze Schaf hielt sich nicht an die Regel und büxt aus wo und wann es kann. Dabei ist sie so sozial und anhänglich, lieb und unschuldig - wenn ich in der Nähe bin. Aber der Tierhändler hat mich gewarnt. Er sagte: "Diese ist eine Ladra, pass auf!" Ladra, das ist eine Diebin, also ein falscher Geist. Und er hatte recht. Hoffe, dass ihr Sohn nicht auf Abwege gerät mit und durch sie. Der Sohn eines Schafes ist ja bekanntlich ein Widder. Das verheisst nichts Gutes. (Ich spreche da aus eigener Erfahrung !!!). Am letzten Dienstag war ich wieder auf dem Viemarkt und habe zugesehen, wie ein anderer Tierhändler einen ausgewachsenen Widder an der Stossstange seines Pik-Up angebunden hat. Ihm, dem Widder passte das gar nicht. Er war dagegen und hat gebockt. Als der Händler nur lachte und die, welche mit ihm waren, wurde er (der Widder) so toll, dass er mit seinem Gehörn die Türe demolierte und danach die Frontpartie des Autos. Ja, einem wildgewordenen Widder möchte auch ich (als geborenem Widder) nicht zu nahe kommen. So stelle ich mich also mit dem drei Monate alten Widderlämmchen der wundersamen Mutter besonders feinfühlig, und hoffe so, frühzeitig künftigen Problemen aus dem Weg zu gehen ...

 

Auch Schafe erzählen ein Evangelium. Wenn ich mich ihnen nähere, so rennen sie freudig auf mich zu. Jung und alt. Also ich fühle mich dann als alter Gönner junger Schafe. Wenn das jemand sieht, so denkt er sofort, Ah wie gut der's mit den Tieren versteht! Aber der Schein trügt. Die Schafe lieben nicht mich besonders, sondern nur das Maiskörnchen, das sie jedesmal erhalten. Dieses Maiskörnchen ist wie für uns ein Stück Schwarzwäldertorte. Deshalb eilen sie zu mir - nicht wegen mir. Das ist doch im menschlichen Leben genau so. Solange man etwas Materielles zu geben hat, so eilen sie - die andern und rühmen allzu oft die gegenseitige Freundschaft. Hat man mal keine Maiskörnchen mehr, so kennen einen die alten Freunde nicht mehr. Darum benutze ich jetzt eine andere Art (ich habe aber noch Maiskörnchen), und versuche eine geistige Verbindung mit diesen hochintelligenten Tieren herzustellen. Und das gelingt! Wenn man mit ihnen redet, so hören sie zu. Natürlich verstehen sie die Worte nicht, aber die Wärme, die in den Worten und vor allem in den Empfindungen liegt, spüren sie. So bin ich überzeugt, auch die Daily zu einem ruhigen Dasein "bekehren" zu können und sie mir auch ohne Korona folgen zu lassen.

 

                                

 

Die Schafe zu Besuch im Hühnerhof

 

 

Vom Aussen- und Innenleben

 

Dies alles, was ich jetzt vom Chacara geschrieben habe, betrifft hauptsächlich das Aussenleben. Also das materielle Leben. Das Leben, das auch verstandesmässig geführt und vor allem über die Eindrücke der fünf Sinne gesteuert wird.

 

 Im Gegensatz zum Aussenleben, haben wir ja das Innenleben, also das Leben, das nicht einzig vom Verstand und von Lust oder Unlust, sondern vom Herzen und durch das innere Licht geführt wird. Dieses Innenleben wird im Allgemeinen bis zur Ignoranz vernachlässigt und von Verstandesmenschen als "reine Gefühlsduselei" bezeichnet. Diese Herabsetzung hat aber einen nachvollziehbaren Grund, weil das Innenleben – wenn doch vorhanden - meistens nur auf die  seelische Gefühlsebene reduziert wird. Der Geist, oder genauer gesagt der Geist Gottes wird normalerweise in dieses Innenleben nicht mit einbezogen, weil das Wissen über dessen Existenz nicht vorhanden ist. Der Geist Gottes ist jedem Menschen auf dieser Welt ins Herz bzw. in die Seele gelegt. Dieser Geist Gottes ist aber nur als "Geistfünkchen" oder anders gesagt als "Samenkorn" vorhanden und wird erst zum Wachstum angeregt, wenn das Aussenleben bewusst in die Bahnen der Ordnung Gottes gelenkt wird. Das alles habe ich ja ausführlich in den Büchlein "Sieben Schritte zur Wiedergeburt" und "Das Himmelreich ist in uns" (Herzverlag, Bad Münstereifel (D), Adresse am Schluss)  ausführlich erklärt.

 

Das wahre Innenleben umfasst nicht nur das Seelische, sondern vor allem auch das Geistige. Im regen Innenleben kann der Geist Gottes wachsen und je ernster und bewusster dieses Leben gelebt wird, desto rascher werden auch Fortschritte in der seelisch-geistigen Entwicklung erzielt. Denn das Ziel ist, von den Interessen des sinnlichen Aussenlebens (durch die fünf Sinne) möglichst Abstand zu nehmen und das Interesse auf das Wachsen und Gedeihen des innewohnenden Himmelreiches zu lenken. Verständlicherweise wirft das viele Fragen auf, wie ich das auch erlebt habe. Ich habe gewusst, was ich verliere, wenn ich das Leben der Weltliebe und der Fleischbegierde aufgebe aber nicht gewusst was ich gewinne, bevor ich mich zu diesem Wandel entschloss, wenn ich mich dem Geistigen Leben zuwende.

 

Das wahre Innenleben wird leider auch bei vielen gläubigen Christen vernachlässigt. Viele unserer Brüder und Schwestern suchen Gott in der Bibel, besuchen Bibelkurse oder Theologiestudiengänge, also suchen Gott auf irgend eine äussere Weise, statt die innere Verbindung zu Gott zu suchen. Auch das Lesen der Bibel oder anderer empfehlenswerter Schriften wie Max Seltmann, Jakob Lorber, Jakob Böhme und viele andere, sind letztlich Aspekte des Aussenlebens und dienen lediglich als Wegweiser ins eigene Innere. Die einzige Möglichkeit im Glaubensleben Fortschritte zu machen, bietet ein reges Innenleben. Der Schlüssel dazu? Das Stille Kämmerlein. Und weil das so wichtig ist, möchte ich mehr darüber schreiben. Und vor allem natürlich deshalb, weil in etlichen Zuschriften dieses Thema zu Vorschein kam. Viele wissen um die Wichtigkeit, finden aber den Einstieg etwas schwierig.

 

Das Stille Kämmerlein ...

 

... ist ein anderer Ausdruck für das Himmelreich in uns. Hier, und nur hier können wir Gott am nächsten sein und die Kraft Gottes über unsere Seele auch in das materielle Leben einfliessen lassen. Das zu üben, und andere Menschen in meiner neuen Umgebung dazu zu animieren, das ist meine Aufgabe hier. Es gibt noch einen anderen Ausdruck als „ins Stille Kämmerlein“ zu gehen, und der heisst: Meditieren. Leider ist dieser Begriff vor allem durch die östlichen Religionen arg strapaziert. Unsere Meditation, ich nenne sie die christliche Meditation, unterscheidet sich deutlich von den östlichen Meditationsformen. Diese Form des In-Sich-Gehens öffnet den Weg zum Leben. "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben", sagt Jesus. Hier dürfen wir auch alle Fragen, die uns materiell, seelisch oder geistig beschäftigen, in der Meditation bewegen, und es wird Antwort zuteil, die wir in jedem Fall auch verstehen. Hier ist uns Jesus am nächsten. Ja, Er ist uns noch näher als der Leib! Darum machen wir uns auf den Weg, die Wahrheit zu finden, die zum Leben führt.

 

Noch eine letzte Vorbemerkung scheint mir äusserst wichtig zu sein. In diesem Stillen Kämmerlein allein ist die Wahrheit durch das Licht des Geistes Gottes zu erkennen. Nicht das Bibellesen oder die Lektüre anderer Schriften wie oben erwähnt, können dieses Licht vermitteln, da alles Äussere zu allererst den Verstand statt das Herz erreicht. Hier im Inneren spüren wir noch deutlicher, was Wahrheit ist und was nicht.  Ich will das an einem konkreten Beispiel zeigen. Ich wurde auf einen Text aufmerksamgemacht (auf Verlangen sende ich Dir diesen zu), der im Hinblick "auf Maitreya, dem Christus" von der "göttlichen Liebe“ handelt. Diesen Text kann der geneigte Leser mit der Bibel prüfen, ja sogar mit dem Lorberwerk, und er wird keinen Unterschied finden. Der Leser (ich rede hier von bekennenden Christen und Leser der Neuoffenbarung) wird glauben, dieser Text sei absolut biblisch und mit dem 1.Kor.13 kongruent. Aber er ist es nicht. Ein absolut perfektes Blendwerk. Dieses Blendwerk ist im "Aussenleben" (verstandesmässig) nicht zu durchschauen. Das könnte so ein kleiner Vorbote sein auf den ganz grossen Blender, der ja früher oder später auftreten wird. Was der Antichrist, oder das erste Tier, von sich geben wird, wird darum auch zuerst die religiösen Menschen in seinen unwiderstehlichen Bann ziehen und sein äusserst perfektes Blendwerk zielt darauf ab, dass jeder, der die Meinung vertreten wird, dass dies nicht von Gott selbst sei, sofort als Ketzer angesehen und dementsprechend behandelt wird. Wer die innere Verbindung mit Jesus Christus zu diesem Zeitpunkt nicht hat, wird dem grossen Blender aufsitzen und dann wird es zu spät sein.

 

Die christliche Meditation

 

Diese Meditationsform ist von jedermann leicht und zu allen Zeiten durchzuführen. Sogar Kinder, sobald sie das Sprechen gelernt haben, können diese Meditationsform anwenden. Denn Gott zu finden ist ja zu allererst den Kindern und dem Erwachsenen mit einem kindlichen Gemüt vorbehalten.

 

Im Gegensatz zu anderen Meditationsformen vernachlässigen wir die äusseren Bedingungen wie Körperposition oder eine bestimmte Atmungstechnik. Wir nehmen eine uns bequeme Haltung ein im Sitzen oder Liegen. Bevorzugen wir das Liegen im Bett und schlafen dabei ein, so ist das kein Nachteil, denn mit diesen Gedanken einzuschlafen ist sogar wünschenswert, da die Seele bekanntlich nicht schläft. Die vor dem Einschlafen letzten Gedanken prägen dann die Tätigkeit der Seele während der Körperschlafzeit. Meditieren können wir aber auch im Gehen, Fahren, ja überall.

 

Wir beginnen mit einer Meditationsdauer von etwa fünf Minuten, und das einige Male am Tag. Es bleibt Dir überlassen, wie oft Du Dir Zeit nimmst. Dann steigerst Du die Dauer auf jeweils zehn Minuten. Dann fünfzehn Minuten und so weiter. Das bleibt ganz Dir überlassen, eine bestimmte Regel existiert nicht. Wünschenswert ist es, eines Tages drei Mal am Tag je eine Stunde meditieren zu können. Du machst vielleicht den Einwand, dass Du die Zeit dafür gar nicht hättest. Aber Du wirst bald die Erfahrung machen, dass Du die Zeit wie von selbst findest, welcher Du für das Alleinsein in der Göttlichen Liebe bedarfst.

 

Meditation hat auch etwas mit Konzentration zu tun. Jedermann macht die Erfahrung, dass sich hunderte, ja tausende störende Gedanken in den Weg stellen. Das Umstellen vom Aussenleben durch die fünf Sinne auf das Innenleben der Sammlung, wo wir diese fünf Sinne abschalten, ist nicht so leicht. Vielfach benötigt man etwa zwanzig Minuten, bis die durch das Tagewerk aufgerührte Seele einigermassen zur Ruhe kommt, und das Konzentrieren etwas leichter fällt. Wer noch einen Fernseher hat, der hat es von Anfang an sehr viel schwerer, das Aussenleben abzuschalten, weil er zu sehr auf die Welt mit ihrem Treiben und ihren Trieben eingestimmt ist. Ich will nicht gerade sagen, dass es in diesem Fall unmöglich ist sich zu konzentrieren, aber eine innige Verbindung mit Christus und gleichzeitig ein reges Interesse an der Welt zu haben, das ist beinahe unmöglich. Ich gehe aber mal davon aus, dass die Welt mit ihrem Dreck Dich eh schon genug aneckelt und Du damit nichts mehr am Hut hast  (:-}  . Also, wenn Gedanken Dich bei der Konzentration stören, so rege Dich nicht auf, sondern verlasse sie einfach, sobald Du Dich deren bewusst wirst und kehre zu Deinem Meditationsgedanken oder -thema zurück.

 

Der Meditationsgedanke oder -thema

 

Welche so wichtige Funktion hat eigentlich die Mediation? Beten ist Sprechen, meditieren ist Hören. So wie Du am Telefon mit Deinem/r Freund/in nicht immer sprichst, sonder zwischendurch auch mal hinhörst, so ist es auch in der Verbindung mit Gott. Also nicht nur Beten und dem Herrn Deine weltlichen und materiellen Aufträge übermitteln, sondern auch mal zuhören, was Er Dir zu sagen hat.  „Innerliche Sammlung ist Glaube und Schweigen in Gottes Gegenwart. Du solltest dich daher gewöhnen, in Seiner Gegenwart mit hingebungsvoller Aufmerksamkeit gesammelt zu sein, gleich einem, der Gott ergeben und mit Ihm verbunden ist. Das soll geschehen in Verehrung, Demut und Unterwerfung, indem du Ihn in dem innersten Schrein deiner Seele erschaust, ohne Form, Gleichnis oder einer besonderen Art und Gestalt.“  (Aus „der Geistliche Führer“, Michael de Molinos, Herz-Verlag) So ist Meditieren nicht beten! Vor dem Meditieren hast Du einen Gedanken oder ein Thema das Dich beschäftigt und wovon Du vielleicht eine Antwort erwünscht, aber bleibe ohne jegliche Erwartungshaltung! Nebst dem Gedanken ist auch eine Empfindung wichtig. Genau wie beim Beten. Begleiten keine Empfindungen und Gefühle Deine Gebetsworte, so kannst Du fünfzig Jahre für etwas beten - es geschieht nichts. So auch hier. Den Meditationsgedanken musst Du fühlen, die Empfindungen sollen stark sein.

 

Bei den ersten Meditationsversuchen, aber auch am Anfang jeder Meditationsübung beginnen wir mit dem allerwichtigsten und alles umfassenden Gedanken: "Gott liebt mich". Wie Du diesen Gedanken formulierst, bleibt Dir überlassen. "Ich bin von Gott geliebt", "Jesus lebt in mir", "Gott liebt alle Menschen", "GOTT IST" sind nur einige Beispiele. Bleibe bei Deinem Gedanken und fühle, dass die Liebe Gottes für Dich und alle Menschen dieselbe ist. Ohne diese Liebe können wir nicht gehen, nicht atmen und hätten kein schlagendes Herz. Nur Seiner Liebe verdanken wir das Sein und dass wir leben. Diese Liebe ist nicht irgendein Verdienst, sondern reine Gnade, ein reines Geschenk: Es ist Seine Schöpfung.

 

Wenn Du Dich diesem Gedanken einige Male und wie gesagt, mit dem entsprechenden Empfinden hingibst, so wirst Du sehr bald einen tiefen, bis jetzt ungekannten inneren Frieden verspüren. Das ist die erste Antwort. Dieser Friede erzeugt in Dir ein starkes Verlangen, immer wieder diesen Frieden von Neuem zu verspüren. Natürlich wird dieser Friede und innere Ruhe nach der Meditation anfänglich durch die Tagesaktivitäten relativ schnell wieder gestört. Aber sei deswegen unbesorgt, denn "Gut Ding will Weile haben". Schon bald wirst Du die Auswirkungen dieser Meditationsübung im Alltag sehen, oder vielmehr, die anderen Menschen, Deine Umgebung, wird die Auswirkungen sehen.

(Es bleibt noch anzumerken, dass später, wenn die innige Verbindung zu Jesus Christus fester und zur Gewohnheit geworden ist, Er dann dieses süsse Glücksgefühl oft vermissen lässt, damit Dein Glaube sich nicht auf seelische Sinneslust gründet, sondern auf bedingungsloses Vertrauen. Aber in diese Phase, wo Du dann Gott noch tiefer erleben darfst, wirst Du innerlich geführt)

 

Eigentlich bräuchte ich nun nichts mehr weiter zu schreiben über dieses Thema, weil Du von nun an selber merken wirst, wie es in der Meditation weitergeht. Du wirst geführt durch den Geist Gottes, weil Du nun schon die erste Bedingung erfüllst, dass das obenerwähnte Geistfünkchen wachsen kann. Welches sind denn die Bedingung(en)? "Liebe Gott mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Gemüt" sowie "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Das Zweite kommt aber dann aus dem Ersten.

 

Aber trotzdem, ich will noch ein Stück weitergehen und beschreiben, was dieser erste Meditationsgedanke "Gott liebt mich, Er lebt in mir" für Folgen hat. Zum Beispiel Jesus in sich und im anderen Menschen erkennen. Wer Jesus als Menschenbild erkennen kann, erlebt eine ganz besondere Gnade, was aber nur einigen ganz reinen Seelen vorbehalten bleibt. Oft machen wir den Fehler und wir stellen uns Jesus Christus so vor wie er als Mensch auf der Erde gewandelt ist. Das ist aber nicht Sein Wille. Alle die Bilder welche hin und wieder gemalt wurden und werden, führen uns auf ein falsches Geleise. Er hat gesagt: "Ich gehe dahin wo mein Vater ist und sende euch den Tröster", also den Heiligen Geist. So wie Jesus und der Vater Eins sind, so ist Jesus und der Heilige Geist (oder Geist Gottes) auch Eins. Haben wir den Geist Gottes in uns, so haben wir auch Jesus in uns oder den Vater. Nicht das Bild Jesu, sondern die sieben Eigenschaften Jesu oder des Geistes ist es, was in uns leben und was wir in den anderen Menschen sehen sollen. Diese Eigenschaften sind bekanntlich  die Liebe ( Liebe zu Gott und dem Nächsten), Das Licht (Wahrheit, Erkenntnis, Weisheit, Das Wort), Kraft (Wille, "Es werde"), die Ordnung Gottes (die natürliche und geistige Gesetzmässigkeiten), der Ernst (die Beharrlichkeit), die Geduld und schliesslich das Erbarmen (die Barmliebe). Je mehr nun Jesus oder eben der Geist Gottes in uns wächst, desto deutlicher offenbaren sich diese Eigenschaften in uns. Das ist das Bild Jesu. Wenn dann einmal der Geist Gottes so gewachsen ist, dass die Seele keine Unreinheit mehr hat und er die gesamte Seele erfüllen kann, dann ist die Zeit der Wiedergeburt gekommen.

 

Aber schon vor dieser Wiedergeburt dürfen wir die Herrlichkeiten sehen. Wir dürfen ins Himmelreich wie durch das Schlüsselloch blicken. Das ist ein weiterer Ausblick dieser einfachen Meditation. Wir dürfen wirklich an der ganzen Wahrheit teilhaben und sie auch erleben, und nicht nur das tote Wissen darüber.

 

Schon nach relativ kurzer Zeit kannst Du auch andere Gedanken in die Meditation mitnehmen. Beginne damit, dass Du Dir Antworten auf Dir nicht verständliche Bibelverse geben lässt. Du wirst staunen, wie deutlich die Antworten ausfallen und vor allem auch wie umfassend. Um das WIE, also auf welche Art Du die Antwort oder die Lösung erhältst, mache Dir keine Sorgen. Gott weiss, wie Du ihn verstehst. Sei auch in diesem Punkt ohne Erwartungshaltung.

 

Weitere wichtige Fragen sind auch: "Warum habe ich diese oder jene Krankheit, warum diesen Unfall, warum diese Unbill, die mir begegnet ist, warum ist dies oder jenes geschehen?" Da ja nichts ohne Göttlichen Willen geschieht und schlussendlich alles zum Besten dient (jedenfalls denen, die Gott lieben!), ist es auch der Göttliche Wille, dass Du eine Göttliche Antwort auf obige und andere Fragen bekommst.

 

 

Nun, ich würde mich riesig freuen, wenn es Dir gelingt, Dich für einige Zeit freizumachen um Deinem Schöpfer auf die beschriebene Weise näher zu kommen, Der Sich ja nicht irgendwo anonym aufhält und scheinbar kein Interesse an Deinen Nöten hat. In jeder Not ist ein Segen verpackt, und das ist Sein Interesse, dass Du diesen Segen erfahren sollst.

 

 

 

Einladung

 

Noch einmal möchte ich die Einladung erneuern, wir haben genügend Platz, Nilce ist fleissig am Deutsch lernen und freut sich auch auf Besuch aus Europa.

 

Bis zum nächsten Mal wünsche ich Euch allen Gottes reichen Segen

und verbleibe

 

mit offenem Haus und Herzen

 

Hans Künzle

           

 

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Santa Isabel, 30.Oktober 2009

 

 

Meine lieben Freunde und Geschwister,

Friede sei mit Euch! 

Wie die Zeit vergeht! Schon sind wieder drei Monate vorüber und ich bin bereits weit mehr als ein halbes Jahr in der Fremde und habe während dieser Zeit "dem System" weitgehend den Rücken gekehrt. Nur der Zeit an sich kann ich natürlich nicht gänzlich entfliehen - aber das ist ja auch nicht nötig, denn ich besitze sie in der ganzen Fülle! 

Mein Leben hier im Chácara ist fernab jeder "Action", dem weltlichen Trubel mit allen seinen verführerischen Reizen und ihrem mörderischen Stress. Dafür ist es in geistiger Hinsicht alles andere als langweilig, ja es ist jeden Tag "etwas los".

 Nun - womit soll ich anfangen? Etwa mit dem ‚Schrei, der im Hals stecken blieb‘? Ja, ich glaube, denn in dieser kleinen Geschichte ist noch ein bisschen Action vorhanden, welche eben durchaus doch vorkommen kann. Aber zuerst möchte ich allen meinen lieben Freunden und Geschwister danken, die mir gelegentlich oder regelmässig schreiben und helfen, damit den Kontakt aufrechtzuerhalten. Ich freue mich immer, wenn ich auch an Eurem Leben Anteil nehmen kann. So haben mich drei Briefe von Schwestern ganz besonders gefreut. Die eine, Schwester M. aus der Schweiz, beschrieb in ihrem Zeugnis ein Treffen mit Jemanden am Rande einer Veranstaltung, wie dieses Treffen von Gott gefügt wurde und wie sie dann diesem Menschen ein e ermutigende  Belehrung geben durfte, die ihn mitten ins Herz traf. Sie schloss dann mit den Worten: "Danach ging ich wieder auf mein Zimmer zurück und ich war aufgelöst in Tränen und wusste in dem Augenblick, dass das meine Mission gewesen war, warum ich überhaupt an diese Veranstaltung ging." 

Die andere Schwester (auch) M. aus S. in Österreich, welche über ein Jahrzehnt schwere Prüfungen und Anfechtungen erdulden musste (durfte), hat ein ähnliches erstmaliges Erlebnis dieser Art ebenfalls am Rande einer Veranstaltung, das ich allen meinen Freunden und Geschwister weitergeben will. Sie schrieb: " ... auf einmal fing ich an (aus der Liebe in mir) ihr eine Predikt zu halten, dass sogar H. (die dort in der Gemeinde wirklich predikt) plötzlich verstummt ist, mich anstarrte und später mir die volle Achtung ausdrückte und mich lobte (das muß ich berichtigen) ... dabei ... war es JESUS in mir .... der durch mich wirkte ... nur IHM allein gebührt die Ehre ... Er wirkte so wunderbar in und durch mich .... ich hab es erst gar nicht richtig einordnen können. Jetzt weiß ich, das s alles vom VATER in mir kam ". 

Und schliesslich noch der dritte Brief von Schwester E. aus Süddeutschland, sie schrieb:" ... abgeschieden vom Trubel, am See!!! Dort setzte ich mich hin in aller Stille ... Und siehe da, mein Bewusstsein hat sich bereits etwas geöffnet bezüglich, 'dass wir alles in uns haben'. Wir brauchen es nur zuzulassen!!!! Das hört sich so locker leicht an, aber man kann es erst in der echten Stille erahnen. Und das war der 1.Weg heute in das „innere Königreich“. Ich erlebte tatsächlich eine leise Ahnung, wie es sich anfühlt, das Universum im Innern zu empfinden. Das war aber nun wirklich erst ein zartes Gefühl, doch für mich schon ganz schön viel."  

Alle drei Erfahrungen haben mich tief berührt. Diese Schwestern haben etwas erlebt, das einem Meilenstein gleichkommt. Sie haben einen Schritt vom reinen Glauben aus der Hoffnung hin zur Gewissheit getan. Sie haben er-lebt, dass Er im Herzen wirklich lebt und wirkt. Es sind Beweise, die einem niemand mehr nehmen kann. Kein Zweifel kann sich mehr darüber legen, ob Jesu wirklich der Führer unseres Lebens ist, wenn wir Ihm das gestatten. Dabei ist es unerheblich, ob uns Jesus als Mensch, oder, wie in meinem Fall, Er als im Geiste Gottes erkennbar an Seinen Eigenschaften und Wirken (siehe letzten Reisebericht) vorstellen. Wenn wir durch die Heiligung der Seele dem Geiste Gottes das Wachsen ermöglichen, dann erleben wir bald einmal Sein Wirken, wie es eben die drei Schwestern auch erfahren haben. 

Das ist insofern ein wichtiger Meilenstein im seelisch/geistigen Leben der Drei, weil es eine ersehnte Bestätigung ist, auf dem richtigen Weg zu sein. Solche bedeutungsvolle Bestätigungen brauchen wir immer wieder, und wenn wir unbeirrt auf den inneren Führer ausgerichtet bleiben (und unseren Fokus endlich von der vergänglichen Welt der Sinne abwenden!!), dann stellen sich diese eindrücklichen Bestätigungen täglich ein.

Ohne ein elitäres Denken schüren zu wollen, so freut es mich, dass diese drei Seelen nun auch zum Kreis derer gehören, von denen der Herr sagt: "Meine Schafe hören meine Stimme". Ich komme dann weiter unten noch auf dieses Thema ausführlicher zu sprechen, in dem wir alle zusammen eine interessante und lehrreiche Übung machen werden.

Cascavel 

Cascavel ist eine mittelgrosse Stadt in der Nähe von den weltberühmten Katarakten, den Wasserfällen von Foz de Iguaçú an der Westgrenze Brasiliens zu Paraguay und Argentinien. Die relativ alte Stadt ist schön, sauber und modern und hat etwa dreihundert Tausend Einwohner. Aber ich schreibe nicht über diese Stadt, denn was sich mit einer Cascavel ereignete, spielte sich innerhalb meiner kleinen Welt vom Chácara ab. An einem sonnigen und warmen Tag habe ich die Aussaat-Töpfchen bereitgemacht um Salat- und andere Sämereien darin zu säen um sie später zu pikieren. Es war um die Mittagszeit, als ich von oberhalb des Hauses bei den Wassertanks einen Schrei vernahm: "Hans - komm ...“ Es war Nilce, klar, sonst war niemand zugegen. So ein Schrei beunruhigt mich in der Regel nicht, höre ich ihn doch täglich öfters wenn es eine Handreic hung zu tun gibt oder sie wieder mal von einer Maus oder Eidechse erschreckt wurde.  

Aber diesmal war es anders. Der Ton, der Schrecken, der im Tonfall nicht zu überhören war, liess mich aufhorchen. Ich schaute auf, sah sie auf den Boden starren - und wusste Bescheid. Ich liess fallen, was ich in Händen hielt und rannte in ihre Nähe. Auf dem Weg erfasste ich einen längeren Ast eines Eukalyptusbaumes, der eigentlich nicht dorthin gehörte. Aber ich habe zuvor zwei Tage lang Bäume gefällt, welche vor allem Zaunpfosten für das Gehege der Schafe hergeben sollten. Das Baumfällen geschieht aber nicht mit der Motorsäge, sondern mit der Axt, mit welcher auch die vielen Äste abgeholzt werden. Also, so ein Ast lag direkt auf meinem Weg zu den besagten Wassertanks. Einige Meter davor blieb ich stehen, um nicht durch eine ruckartige Bewegung das Tier zu provozieren ...  Dann pirschte ic h mich langsam näher, den Ast mit dem dünneren Teil in den Händen das andere Ende etwa einen Meter über den Boden. Nilce stand da, einen Bambusstab in der Rechten und hob damit ein dürres Bananenbaumblatt. Bananenbaumblätter sind etwa drei Meter lang und zirka siebzig Zentimeter breit. Wie ich nun neben Nilce stand und mit meinen Augen ihrem starren Blick folgte, sah ich sie - eine Cascavel! Eine hochgiftige Schlange. Es war eine absonderliche Situation: eine Nilce, die nichts mehr sagte, eine Schlange vor mir in Angriffsstellung mit dem züngelnden Kopf vor- und zurückwippend und dann noch die kleine Rosca, die wie ein Pfeil angerannt kam und mit dem kleinen komischen Ding da am Boden spielen wollte .... 

Es ist mein Prinzip, keine Tiere zu töten. Einen Moment überlegte ich noch, ob es eine Möglichkeit gäbe, diese graugezeichnete und gut getarnte Schlange zu retten. Aber die junge, fünf Monate alte  Hündin Rosca (es scheint doch eine Hündin zu sein!) war wirklich in einer Gefahr, welche sie nicht erkannte. Nur der lange Ast über dem Kopf der Schlange irritierte sie, deshalb wusste das Kriechtier nicht, aus welcher Richtung für sie die Gefahr drohte. Aber bevor sie sich zur einer für mich unberechenbare Taktik durchringen konnte, schlug ich zu, und es reute mich dann wirklich, einem Naturgeist eine vorschnelle Löse gegeben zu haben. Aber in diesem Fall war das sicher berechtigt.  

Tiere werden ja in Stufen von Niederen bis Höhere eingeteilt. Ich bin kein Naturwissenschaftler, darum weiss ich nicht genauer Bescheid darüber. Aber trotzdem habe ich meine eigenen Beobachtungen gemacht, und teile diese Tiere - oder eben Naturseelen - nach einer "Liebesskala" ein. Auf dieser Skala rangieren die Schlangen wirklich zu unterst. Dieselbe Skala ist auch für Menschen anwendbar. Es geht dabei darum, wie sich eine Mutter zu ihren Kindern verhält. Ein Vogel zum Beispiel (eines der höchsten Tiere) sieht seine ganze Tagestätigkeit vor allem darin, für die Kleinen die Nahrung zu besorgen und ihnen die nötige Nestwärme zu geben. Bei den Schlangen geht es in der Regel andersherum. Sie legen ihre Eier an einen ausgesuchten Ort, und dann kümmern sie sich nicht mehr darum. Die Brutzeit der Eier interessiert die liebeskalte Schlange nmutter überhaupt nicht. Auf dieser unteren Stufe der Naturseelenentwicklung sind diese noch derart unrein und böse, was ja auch im tödlichen Gift zum Ausdruck kommt.

Nun ist auch Nilce wieder zum Leben erwacht. Das erste, was sie sagte war, ich dürfe die trockenen Bananenbaumblätter nicht mehr herumliegen lassen, da dies die erklärten Orte seien, wo Schlangen sich verstecken. Ja, und so war ich dankbar, dass dieses Lehrstück so glimpflich abgelaufen war. Diese Blätter lasse ich trocknen, da sie später gehäckselt die beste Streue für den Schafsstall abgeben. Darauf habe ich dann ein Gestell gebaut, wo sie gefahrlos getrocknet werden können.

Nachher, als ich meine angefangene Arbeit beim Aussäen fortgeführt hatte, gingen mir auch so einige Gedanken durch den Kopf. Schlangen gelten in der Göttlichen Entsprechungslehre vom natürlichen zum geistigen Leben als Versuchungen. Wie im materiellen Leben die Schlangen gut getarnt, also beinahe unkenntlich auf ihr Opfer wartend, so verhält sich es auch im seelisch/geistigen Leben. Die Versuchungen, sich aus der Ordnung Gottes zu entfernen und die Verführungen, den Reizen der Welt, des Vergänglichen und der Sinne nachzugeben, sind derart gross und die Grenze dazu fast unsichtbar. Das Bananenblatt ist eine Entsprechung, eine Metapher, für die süssen Früchte eben dieser verführerischen Welt. Was uns die Geschichte mit der Schlange lehrt, ist: Unter den süssen Früchten dieser Welt lauert die getarnte und beinahe unsichtbare Gefahr für das (geistige) Leben. 

So hat alles, ja wirklich alles was uns im materiellen Leben begegnet, seine geistigen und sogar himmlischen Entsprechungen! Sobald wir lernen, das geistige Leben im materiellen Leben zu entdecken, haben wir den grössten Gewinn und unsere Seele kann sich in kürzester Zeit entwickeln. 

Ein anderes ganz unscheinbares Erlebnis hatte ich Tags darauf, fast am selben Ort. Ich jätete das Salatbeet, da das Unkraut ja bekanntlich schneller wächst als der Salat. Dieses Beet ist nur provisorisch, ist relativ klein und in der Mitte befindet sich ein Caqui-Baum. Wie ich nun am Unkraut (gibt es das überhaupt?) ausreissen bin, fällt plötzlich ein Blatt direkt vor meiner Nase auf die Erde. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Dieses Blatt war aber nicht dürr, sondern grün. Und es fallen normalerweise mehr dürre Blätter zu Boden als grüne. Das hat mich im Moment ein bisschen irritiert. Da ich aber weiss, dass selbst nicht mal ein Haar vom Haupt  fällt ohne den Willen Gottes, so muss ein ganz besonderer Wille Gottes vorliegen, wenn Er ein grünes Blatt von einem Baum fallen lässt. Deshalb f ragte ich Ihn: "Herr, was soll das bedeuten, was willst Du mir mit diesem grünen Blatt sagen? Bitte erkläre mir das." Die innere Stimme war ganz klar und deutlich vernehmbar. Natürlich nicht phonetisch, wie man eine Menschenstimme vernimmt, sondern es ist mehr ein Gedanke mit einem Gefühl verbunden, dem man automatisch nachgibt und hinterher sagt, ich 'fühlte mich gedrängt'. Also diese "Stimme" sagte: "Schau mal nach oben!". Und - wie gesagt, unwillkürlich, ohne zu überlegen, schaute ich nach oben und direkt in die schönste weisse und in voller Blüte stehende Orchidee. Orchideen wachsen bekanntlich nicht am Boden, sondern an Bäumen als sogenannte epiphytische Pflanzen (fast wie Schmarotzer, aber ohne den Wirt schädigend). Dieses Erlebnis ist nicht so weltbewegend, aber es war eine kleine Zärtlichkeit eines Engels, die uns ständig begleiten.

(Nur so nebenbei: Orchideen sind selten schöne Blumen und bedeuten in der Entsprechung den Gotteskindern. Diese edlen Blumen sind von einem Wirt abhängig von dem sie die Lebenskraft und die Nahrung beziehen, so  wie die Gotteskinder im Willen Gottes gegründet sind. Die perfekte Form, die attraktive Blüte und die brillanten Farben entsprechen den himmlischen Kleidern für eine heilige und reine Seele.)

Die öffentliche Privatsphäre

Es ist schon eine ganze Weile her, genau gesagt, etwa gerade ein halbes Jahr. Ich hatte mein Zimmer im „Kiosk“ bezogen mit einem Köfferchen als Schrank für die paar Sommerkleider und einem Harass als Truhe für die Winterkleider. Als „Kiosk“ bezeichnen wir ein kleines Hilfsgebäude abgesondert vom Gästehaus. Dieser Kiosk ist zweistöckig und hat im unteren Geschoss nur ein kleines Zimmer mit Küche und Kühlschrank und einem WC und einer Dusche. Dieses Zimmer ist ebenerdig mit dem gedeckten Vorplatz. Dieser hat einen grossen Esstisch mit sieben Stühlen, daneben einen grossen Holzgrill. Die Öffnung desselben habe ich mit einer Wandtafel verschlossen. Diese dient als Kommunikationsmedium wenn mir wieder einmal die portugiesischen Begriffe fehlen. So kommt es oft vor, dass auf dieser Tafel auch unverständliche Zeichnungen zu sehen sind. Besucher fragen dann oft, was das bedeuten soll – und ich habe eine hervorragende Möglichkeit, direkt auf den Kern des Glaubens zu kommen. Nun zeichne ich vor einem Besuch absichtlich etwas Spezielles auf diese Tafel, damit wir schneller beim Thema sind. Das verfehlt nie die Wirkung. Nun, dieser Vorplatz beinhaltet noch den Holzherd und einen Pizzaofen, der mir zwar mehr als Holzofen zum Brotbacken dient  (Danke Dir nochmals, Barbara aus Holzach für das wirklich tolle Brotrezeptbuch!).

Dieser Vorplatz ist also das Zentrum des gesellschaftlichen Geschehens, wenn wir Besuch haben. Mein Zimmer dient dabei als Durchgangsstation von der Aussenküche zum Kühl- und Geschirrschrank. Wer müde vom Schwatzen oder Trinken ist, legt sich auf mein Bett, meistens noch mit einer Dose Bier in der Hand …. Mein Zimmer dient oft auch als Umkleideraum für die Benützung des Swimmingpools. Schlafe ich am Samstagabend in der Stadt, so ist mein Zimmer besetzt durch Therese, unser guter Geist, die Freitag, Samstag und Sonntagmorgen das Haus und den Kiosk auf Vordermann bringt. Dann, am andern Tag ist meistens nichts mehr am Ort, wo es sein sollte … Na ja, da wir Schweizer halt extreme Individualisten sind und zwei ganz geheime und persönliche Einrichtungen kennen, nämlich das Schlafzimmer und das Bankkonto, so hab ich mich bei Nilce mal be schwert und gefragt, ob das mein oder ein öffentliches Zimmer sei. „Ja selbstverständlich“, antwortete sie mir, „bei uns gibt es nichts Geheimes oder Separates, alles ist öffentlich!“

Ich hätte mich ohrfeigen können. Will ich mich auflehnen gegen eine bestehende Ordnung, oder will ich jetzt endlich lernen, alles so zunehmen wie es ist? Alles akzeptieren – und das dazu noch mit Liebe? Ich schämte mich, denn es wurde mir bald bewusst, wie in der Geistigen Sonne (von J.L.) beschrieben, dass es auch nach dem Ablegen unseres Leibes keine Privatsphäre mehr geben wird. Alles wird offenbar sein, jeder heilige oder unheilige Gedanke, jedes nütze oder unnütze Wort und jede begangene oder unterlassene Tat. Jeder kann in die (Privat-) Sphäre einer beliebigen anderen Seele eintreten und das vergangene mehr oder weniger ehrwürdige Erdenleben eben dieses Geistes von den Empfindungen bis zu den Handlungen alles miterleben, soweit es nichterlöste Seelen betrifft.

Ein Event

In der wie immer abgasgeschwängerten Stadt Santa Isabel sah ich eines schönen Tages ein kleines Plakat hängen: „Missionar David Soares präsentiert ‚Show da fé‘ (Show des Glaubens)“. Ich hatte schon oft von diesem im ganzen Land bekannten Evangelisten gehört. Er betreibt einen eigenen TV-Kanal für Evangelisation nach amerikanischem Vorbild  und hat immer einen grossen Menschenauflauf, wohin er auch geht. Also, dieser Pastor kommt nach Santa Isabel – das will ich sehen.

Brasilien ist ein streng katholisches Land. Die katholische ist die System-Kirche. Trotzdem sind in den letzten Jahren unzählige evangelische Kirchen – oder besser gesagt: Gruppierungen - entstanden. Diese Zusammenkünfte entsprechen den europäischen Freikirchen. Wahrscheinlich sind auch einige Sekten darunter, die eine spezielle Lehre nach ausgesuchten Teilen der Heiligen Schrift haben.  Dieser  Gedanke kam mir, als ich einmal bei einer Versammlung vorüberging, wo Frauen und Männer getrennt sassen und die Frauen eine weisse Kopf- und Schulterbedeckung hatten.

Nun – ich wollte mal sehen, wie so eine Missionsveranstaltung hier im temperamentvollen Südamerika funktioniert. Mit der Ankündigung, dass es eine ‚Show‘ sei, stieg natürlich schon ein gewisses Vorurteil in mir auf. Aber ich wollte offen sein und war mir bewusst, dass hier eine ganz andere Kultur herrscht als in Europa. Das Drum und Dran war ja schliesslich nicht so wichtig, Hauptsache ist, dass die Lehre stimmt, dass die beiden göttlichen Hauptgebote „Liebe Gott mit  deinem ganzen Herzen , mit deiner ganzer Seele und mit deinem ganzen Gemüt“ sowie daraus hervorgehend „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, vermittelt wird.  Selbst wenn ‚Bekehrung‘ oder die Wassertaufe gepredigt würde, hätte ich nichts einzuwenden, obschon Jesus das ni e gelehrt hat.

Die Grossveranstaltung fand an einem Dienstagmorgen um neun Uhr im grössten Raum der Stadt, einer Sporthalle, statt. Dessen ungeachtet, dass dieses Meeting zur für mich ungewohnten Zeit stattfand, war das Sportgymnasium überfüllt und viele mussten mit einem unbequemen Stehplatz vorlieb nehmen. Weit mehr als tausend Personen jeden Alters nahmen an diesem Espectáculo teil. Ja, ein Riesen-Spektakel war es. Eine fünftausendwatt Verstärkeranlage mit voll aufgedrehtem  Bassregister liess die Luft, den Betonboden und vor allem die Ohren vibrieren, dass man weder Gesang noch Melodie ausmachen konnte, weil sich alle Töne mehrfach  überschlugen. Ich ärgerte mich ein bisschen, als ich die vielen jungen Mütter mit Kleinkindern und sogar auch Säuglingen sah. Dies e Kinder müssen einen Gehörschaden davontragen, wenn man bedenkt, wie sensibel die Trommelfelle der Kleinsten noch sind. Ein Wort mit Nilce zu wechseln, war auch bei uns in der hintersten Ecke, nicht möglich. Aber ich durfte nicht erstaunt sein, war ja eben eine Show. In der Mitte der Halle war ein TV-Kamera-Turm aufgebaut, der die Bühne mit den Akteuren nicht aus der Linse liess. Die Zuschauer, mit Popcorn oder Chips und Cola in der Hand bewegten sich gehend, stehend oder sitzend im wippenden Rhythmus der modernen Musik. Ich atmete auf, als ein gewandter Redner auf die mit Blumen dekorierte Bühne sprang, denn damit wird dann wohl die sein sollende Musik bzw. der organisierte Lärm, zu Ende sein.

Dieser Redner war aber noch nicht der Pastor. Es war ein Vorbeter, nach pfingstlicher Manier mit dem Geist getauft. Er begann zu beten, wurde dabei sich selbst vergessend immer schneller und nach kurzer Zeit redete er schneller als ein Sportreporter, der einen galoppierenden Fussballer bei jedem Schritt mit fünf Sätzen kommentiert. Unglaublich. Noch nie gehört sowas. Eine tolle Showeinlage. Oder war es der Heilige Geist? Mit zu beten war mir in diesem Fall nicht möglich, da ich auf keinen Fall so schnell denken wie er reden kann und zweitens weil ich noch weniger schnell übersetzen kann. Das ganze hatte für mich den Eindruck von  halb Disco und halb Karneval. Aber ich musste hart damit kämpfen, doch kein Vorurteil aufkommen zu lassen, denn der Pastor war ja noch nicht da. Bevor dieser kommen kon nte, musste die Kollekte eingezogen werden, was dann auch gleich dreimal geschah.  Zuerst gab es zwei CD und ein Büchlein zu kaufen, zum Preis von (nach den Lohnverhältnissen umgerechnet) 250 Franken. Dann die eigentliche Kollekte und nachher hatte man die einmalige Gelegenheit, sich für eine permanente Unterstützung registrieren zu  lassen.

Als dieses langdauernde Prozedere vorüber war  und der Hauptredner dann ebenfalls auf die Bühne gerannt kam (absolut unbrasilianisch, aber viel Energie suggerierend), war plötzlich für einen kurzen Augenblich absolute Stille im überfüllten Raum. Die Zuschauer legten Popcorn und Cola auf den Boden, standen auf und begannen eine Ovation zu klatschen. David Soares genoss es, grüsste immer wieder auf alle Seiten und begann, als sich die Menge erholt hatte, mit seiner Botschaft, die äusserst kurz, aber nichtsdestoweniger einprägsam war: „Ihr seid alle besessen, darum seid ihr krank! Ihr alle habt Dämonen und unreine Geister, von denen ihr euch und eure Wohnungen frei machen müsst!“ Um seine Botschaft nachhaltiger zu kommunizieren, begann er auch gleich damit, die Geister auszutreiben. „Im N amen Jesus Christus, fahrt aus,  aus den Leuten hier!“ Dabei wiederholte er im befehlenden und barschen Ton den Namen Jesus weiss nicht wie viele Male. Zum Schluss, und das war dann der eigentliche Hauptteil der ‚Show‘, konnten sich die Zuschauer melden, nach vorne gehen und ein Zeugnis über das Wirken des Heiligen Geistes abgeben. Die Kolonne war riesig. Riesig auch der Effekt der Gruppendynamik.

Wir waren beide frustriert, wie man aus dem heiligen und erlösenden Evangelium einen kommerziellen und mit psychologisch trickreichen Effekten einen Event über die Bühne zieht und der Botschaft der Liebe einen boulevardmässigen Anstrich verleiht.

Trotz dieser zirkusreifen Nummer darf man zwei Sachen nicht vergessen. Erstens sind dem Geist Gottes die Hände nie gebunden, zu wirken. Er kann alle Events dieser Art trotzdem dazu benützen, in die Herzen der Menschen zu reden. Vielen Zuschauern merkte man von weitem an, dass sie die Liebe im Herzen haben und ein anderes Verhältnis zu Gott haben, als hier gezeigt wurde.

Zweitens ist die Botschaft „Ihr seid alle besessen!“ nicht mal so abwegig.  Denn wenn uns bewusst wäre, was für Bewohner wir in unserer Sphäre ständig „mitschleppen“, so sollten wir uns schon ernsthaft damit befassen,  uns den unreinen Geister und Seelen zu entledigen. Und genau hier kommen wir zum Punkt, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Niemals funktioniert das so, indem wir die drei Worte „Im Namen Jesu“ aussprechen. Auch wenn wir das zehn, zwanzig oder hundert Mal rufen.  Das hilft nie und nimmer. Diese Worte müssen nicht gesprochen, sondern muss unser Zustand sein! Das ist ein himmelweiter Unterschied. „Im Namen Jesu“ bedeutet: in der Liebe Jesu. Nur wenn wir in der Liebe Gottes sind, sind wir auch im Licht, unsere Seele beginnt zu leuchten und zu strahlen, weil der Geist Gottes in unserer Seele wirkt. Dieses für das fleischliche Auge unsichtbare Licht ist es, das die unreinen Geister, gleich welcher Art, vertreibt, weil sie dieses geistige Liebe-Licht, diese Kraft,  nicht ertragen können.

Die Frage, wie wir denn in diese Liebe Gottes kommen, wie unser Bewusstsein in diese Liebe eingehen kann, habe ich schon im letzten Reisebericht beantwortet. Es ist das Stille Kämmerlein, in dem wir uns dieses Bewusstsein  aneignen können. Wenn Du, lieber Freund, dies auch täglich gemacht hast – wie die drei Schwestern eingangs erwähnten – dann hast Du bereits ein persönliches Verhältnis mit Jesu und kannst die Göttliche Kraft auch schon in Deinem Alltag erst einmal in geistiger Hinsicht einsetzen. Du spürst aber auch die Stärkung durch die Befreiung von niederträchtigen, unreinen oder gar bösen Gedanken und seinen entsprechenden Empfindungen, weil eben diese Geister, die dafür verantwortlich sind, sich schon verabschiedet haben oder im Begriff sind, das zu tun. Kämpfe nicht gegen die Geister und versuche nicht, diese bei Dir oder anderen auszutreiben, sondern bemühe Dich um das verstärkte Bewusstsein der Liebe Gottes in Dir und dann stellt sich das Problem mit Geister oder Dämonen nicht mehr. (Abgesehen davon, geht es eigentlich nicht um Dämonen, sondern „nur“ um unreine Geister und/oder Seelen. Wer an Gott glaubt und Jesus als Erlöser angenommen hat, hat in der Regel nichts mit Dämonen zu tun.)

Nun wird's praktisch

Besser als über eine Theorie zu schreiben, ist, diese Lehre gleich in die Tat umzusetzen. Bist Du damit einverstanden, machst Du mit - getreu nach dem Wort: [GEJ.01_113,13] Ich will Meine Lehre aber also stellen, daß durchs bloße Lesen oder Hören des Evangeliums niemand auf den Grund der lebendigen Wahrheit gelangen soll, sondern allein nur durchs Handeln nach Meiner Lehre; die Handlung erst wird jedem zu einer Leuchte werden!“ (Vgl. Joh.7,17)?

Dass das Vorerwähnte Göttliche Wahrheit ist, wollen wir jetzt mit einer etwas ungewöhnlichen Übung beweisen. Dazu brauche ich wenigstens zwei, noch besser aber alle bereits über fünfzig Adressaten plus alle anderen Leser dieses Freundesbriefes. Wir wollen alle gemeinsam einer Seele zu Hilfe kommen, welche sehr schwer krank ist und durch welche auch andere Seelen leiden. Diese Seele ist krank weil die von bösen Geistern und finsteren Dämonen geplagt ist und sich selbst zu helfen kaum in der Lage ist. Mit dieser Erfahrung wollen wir sehen, was die Göttliche Liebe vermag. Unser Ziel sind die zwei vom libyschen Präsidenten Muammar al-Gaddafi gefangenen Schweizer. Die Liebe soll bewirken, dass die beiden an Weihnachten zu Hause sind und dass Gaddafi selbst zumindest für die Freilassung vom Göttlichen Liebe-Licht berührt wird. Es ist ein hohes Ziel, aber ich weiss, dass Gott hier eingreifen will und weiss auch warum.

Wie gehen wir vor?

Wir verursachen damit keinen Lärm – sondern gehen in die Stille, in die Meditation. Zuerst bleiben wir uns wieder eine Zeitlang bewusst und lassen die Empfindung lebendig werden, dass die Göttliche Liebe und damit die Göttliche Kraft bereits in uns ist und wirkt solange wir schon leben.

Nachher lassen wir unsere Gedanken und das Gemüt im Bewusstsein dahin gleiten, dass Gottes Liebe nicht nur uns, sondern allen Menschen dieser Erde zu genau gleichen Teilen gilt. Auch Muammar al-Gaddafi, der in seinem Leben wohl kaum menschliche, selbstlose Liebe erfahren hat und wahrscheinlich nicht  darin erzogen worden ist, ist unbewusst im Besitze der Göttlichen Liebe wie alle andern Menschen. Wir übertragen unser stärkstes Empfinden der Göttlichen Liebe auf ihn und stellen uns vor, wie er aussähe, was und wie er fühlen würde, wenn ein erlöstes Lächeln sein Gesicht zierte. Die Empfindung, welche wir auf ihn übertragen, ist wichtig. Halten wir diese Gedanken auch eine Zeitlang fest und unbeirrt wirken.

Dann werden wir uns bewusst, dass im geschenkten Licht dieser Liebe Engel bei uns sind. Nicht nur Schutz- und Führungsengel, sondern auch viele Friedensengel. Nun bitten wir Jesus, dass Er diese Engel in die Sphäre des Libyschen Herrschers senden und ihm zuerst  Gedanken der Göttlichen Liebe ins Herz einflüstern lassen möge. Diese Liebe lässt die härtesten Herzen schmelzen wie Butter an der libyschen Wüstensonne. Diese tätigen Friedensengel werden nun auch das Nötige veranlassen, dass die beiden Schweizer wieder frei werden.

Viertens beziehen wir die beiden Gefangenen ebenfalls in unsere Liebe ein und bitten auch zu ihnen Friedensengel, mit der schwierigen Aufgabe, den beiden Gedanken der Vergebung einzugeben.

Diese Erfahrung soll dazu dienen, dass wir lernen mit Geistern der tiefsten Finsternis umzugehen. Was wir hier gemeinsam tun, ist „im Namen Jesu“. Auch wenn wir das nicht explizit erwähnen. Wir alle werden erstaunt sein, was passieren wird! Eine gemeinsame Meditationszeit brauchen wir nicht zu vereinbaren, denn dies spielt sich ja auf der geistigen Ebene ab. Die geistige Welt aber kennt keine Zeit. Jeder mache diese Übung sooft er kann

Zum Schluss…

… möchte ich noch ein treffendes Zitat über die Ausdehnung und Wirkung der Sphäre, von Emanuel Swedenborg (1688 - 1772) anfügen:

"134. … Hieraus geht auch deutlich hervor, daß der Mensch, je äußerlicher er denkt, eine desto geringere Ausdehnung er hat, und eine desto größere, je innerlicher er denkt; denn die, welche mehr äußerlich denken, d.h. aus dem Sinnlichen, haben nur mit gröberen Geistern Gemeinschaft, die aber, welche innerlicher denken, haben Verkehr mit den Engeln; wie dieser Unterschied beschaffen sei, kann man aus der Dichtheit der Sphären, in welchen die sinnlichen Geister sind, und aus der Reinheit der Sphären, in welchen die himmlischen Engel sind, erkennen; es verhält sich der Unterschied wie der Unterschied zwischen der Ausdehnung des Schalles und der Ausdehnung des Lichtes; wie groß aber dieser ist, wissen die in der Naturkunde Erfahrenen." (Aus: Der Einfluss der Engel und Geister auf den Menschen)

 

In eigener Sache

Ich suche je eine Person in der Schweiz, Deutschland und Österreich, welche bereit wäre, diesen und die weiteren Reiseberichte auszudrucken und per Post an Personen zu versenden, welche kein Internet haben. Es wären dies in der Schweiz 3 Adressen, Deutschland 4 und Österreich 1.

 

Einladung

 

Wieder möchte ich die Einladung erneuern, wir haben genügend Platz, Nilce ist fleissig am Deutsch lernen und freut sich auch auf Besuch aus Europa.

 

Bis zum nächsten Mal wünsche ich allen Gottes reichen Segen

und verbleibe

 

mit offenem Haus und Herzen

 

Hans Künzle

 

 

 

XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
 
Anhang:
 
Neue EMailadresse:
hkunzle@bol.com.br
Zeitunterschied: 5 Std (nach rückwärts rechnen)
Siehe vCard (Visitenkarte, einzusehen nur mit Windows Mail)
 
Adresse:
Hans Künzle
c/o  Maria Nilce Ferreira Povoa
Rua João Pessoa, 20, apt. 02
075000 Santa Isabel SP - Brasil
 
Infolge der sehr schwachen Internetanbindung mit lediglich 20 Kb/sec
 Ist die Kommunikation mit Skype beinahe unmöglich.
 
Publikationen:
- Sieben Schritte zur Wiedergeburt 
       
- Mezzo Mezzo                                
             
- Verborgene Schätze
- Das Himmelreich ist in euch                   
- Tagebuch der Seele
Die Hefte sind erhältlich beim
Herz-Verlag
Mühlenweg 21
53902 Bad Münstereifel
Telefon: 02257-3363
Telefax: 02257-958662
info@Herz-Verlag.net
http://Worte-Jesu.Herz-Verlag.net

 

                                     

 

Von: Hans Künzle

Datum: 08/10/09 12:23:03

 

 

Liebe Freunde und Geschwister,

Friede sei mit Euch!

 

In meinem letzten Reisebericht (2) bin ich auf das Thema Meditation eingegangen und hoffe, dass nicht nur einige, sondern alle (!) meine Freunde und Geschwister fleissig am Ueben sind. Dann hätte ich nämlich keine "Freunde" mehr - nur noch Geschwister ... 

 

Da ich jedes Jahr vom 30.Dezember bis und mit 1.Januar eine ganz intensive Fasten- und Meditationszeit halte, ist mir der Gedanke gekommen, dass wir im Chacara um die Jahreswende eine solche Stille Zeit (für Besucher mit oder ohne Fasten) zusammen abhalten könnten.

 

Weg von den Traditionen der Welt mit ihrem Treiben, richten wir unsere geistige Sinne auf das Höhere und erheben unsere Seelen in die Freiheit der geistigen Späre. Das Göttliche in uns fühlen, unserem Vater Jesus besonders nahe sein und die geschwisterliche Liebe leben, das wollen wir zusammen erleben.

Während den drei Tagen würden wir noch tiefer in die Themen Meditation und Gebet eingehen. Wer ein Musikinstrument spielt, sollte dieses mitnehmen.

 

Ausserhalb dieser drei Tage stünde es natürlich jedermann frei, sich unabhängig im Lande herumzubewegen, oder im Chacara an einer Woche "Vorbereitung zur Heilung" teilzunehmen. Dies in der Altjahrs- oder Neujahrswoche. Den Ablauf dieser Woche würde ich den Interessierten noch zukommen lassen.

 

Im Anhang findest Du einige Hinweise für eine Reise nach Brasilien (.PDF-Datei).

 

Dieses Treffen kann ich durchführen, wenn mindestens fünf Personen sich für die Reise entschliessen. Wenn Du Interesse hast, so schreibe mir. Definitiv anmelden solltest Du Dich bis 15.Oktober.

 

Wir wünschen Dir Gottes reichen Segen und verbleiben inzwischen

 

mit herzlichen Grüssen

 

Hans und Nilce

                                                       

 

Santa Isabel, 3. August 2010

 

Meine lieben Freunde und Geschwister,

 

Friede sei mit Euch!

Seit meinem letzten Bericht sind nun schon wieder fünf kurze Monate vergangen. Selbst in der Abgeschiedenheit rennt einem die  Zeit buchstäblich in Riesenschritten davon, aber die Zeit ist ja je länger je mehr, wie auch die Distanz, kein Faktor, der zählt. Diese Zeit habe ich aber trotzdem schreibend zugebracht, wie alle diejenigen wissen, welche schon einen Blick in meinen Blog (Webseite) gewagt haben. Diese Schreiberei hat unweigerlich auch etliche E-Mails hervorgerufen, welche ebenfalls alle in Liebe und Ruhe bearbeitet sein wollten.

Ein und ein halbes Jahr ist inzwischen ins Land gezogen, seit ich hier in diesem Chácara lebe. Einst dachte ich, fernab des Weltengetriebes, abgeschieden, so quasi als Einsiedler im Aussenleben zu leben und gleichzeitig ein vom Geist Gottes mehr und mehr erfülltes Innenleben zu haben, das sind die Insignien des wahren Lebens, das es zu erreichen gilt. Jetzt nach einem Jahr kann ich eine kleine, ganz private Bilanz ziehen und erkennen, was von diesem Traum sich realisiert hat. Hat sich die Reise gelohnt? Würde ich diesen Neuanfang noch einmal machen?

Im zweiten Teil dieses Berichtes werde ich darauf zurückkommen. Aber eines sei vorweg genommen: Das Innenleben hat eine so reiche Erfahrung gemacht und die anfängliche Vorstellung als ich das Berufsleben aufgegeben habe, sind weit mehr als nur erfüllt worden! Was das Aussenleben, also das weltliche Leben betrifft, habe ich eine äusserst interessante Erfahrung machen können, die ich nicht für möglich gehalten habe. Aber, wie gesagt, etwas weiter unten werde ich darauf zurückkommen.

Nilce, eine praktische Frau

Nilce ist, wer kann das bezweifeln, die wichtigste Person in meinem Umfeld. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt in und mit der Aussenwelt, dem Aussenleben. Wie gut es da ist, eine wirklich sehr praktische Frau zu haben, erfahre ich fast täglich. Wie schon einmal kurz beschrieben, ist sie das zehnte von vierzehn Kindern, die auf einer großen Fazenda (Riesenbauernhof) aufgewachsen ist, fernab einer jeglichen Stadt mit allen ihren vermeintlichen Annehmlichkeiten. Fernsehen kannte man nicht, ein Auto auch nicht und den ganzen Zirkus des leichten Lebens schon gar nicht. Nebst der Schule lernte sie aber alles auf dem Hof, vom Zäune erstellen über Kühe melken bis zum Gebrauch der Maurerkelle. Bei all diesen für eine Frau notwendigen Kenntnissen fehlten aber auch jene für das Nähen, das Kochen und alle anderen Arbeiten im Haushalt nicht. Von all den praktischen Begabungen und Fähigkeiten konnte ich mich nun über ein Jahr lang zu meiner vollsten Zufriedenheit überzeugen. So möchte ich ein kleines, nettes Geschichtchen zum Besten geben.

Eines Tages waren wir zusammen unten beim Gästehaus und sie gab mir den Auftrag, einen Schlüssel aus ihrer über alles gehüteten Handtasche zu holen. Während ich nun vom Haupthaus zum Kiosk hinaufstieg überlegte ich mir, wie ich das anstellen sollte. Die Handtasche einer Frau ist das innerste Geheimnis einer Frau selbst. Man sagt ja, willst Du das Herz einer Frau ergründen, so blicke in ihre Handtasche. Ich will aber ihr feminines Mysterium wahren, will nicht wissen, was sie alles so mit sich herumschleppt. So hoffte ich, dass ich mit zwei Fingern den gesuchten Schlüssel raus fischen kann, der sicher oben aufliegen wird. Bei der Handtasche angekommen, die an einem Nagel hing, stellte ich sie auf den Tisch und staunte nicht wenig ob ihrem Gewicht. Nun wunderte es mich nicht mehr, warum diese Tasche einen so dicken Bauch hat. Woran liegt das? Am Geldbeutel? Nein, diesen Gedanken verwarf ich schnell wieder. Warum denn alles in der Welt sucht sie immer so lange, wenn sie dieser Tasche etwas entnehmen will? Nun, alle diese Fragen helfen mir ja nicht weiter und so zog ich den Reisverschluss, blickte in eine andere Richtung und versuchte mit Daumen und Zeigefinger den Schlüssel hervor zu klauben. Aber statt den Schlüssel zu fühlen stach es mich in den Daumen. "Oh verflixt! Was ist denn das?" Nach den physikalischen Gesetzen muss das Schwere sich ja auf dem Grund befinden, das Leichte oben. Und ein Schlüssel ist ja beileibe nicht schwer! Aber oben ist der gesuchte Schlüssel nicht. Ich begann mit dem Zeigefinger ein bisschen zu wühlen um Tiefe zu gewinnen und dann – schon wieder: es sticht mich in den Zeigefinger! "Nein das darf nicht wahr sein!" Heroisch begann ich Gegenstand um Gegenstand zu befühlen, aber etwas ähnliches wie einen Schlüssel fand ich nicht bis – es mich ein drittes Mal sticht. "Au! Nein, das kann nicht sein!" Hat sie mich in eine Falle gelockt? Nein, sowas! Ich schaute zu ihr hin, ob sie etwa selbst komme, den verlangten Schlüssel zu holen, aber nein, sie hantierte etwas und achtete mich nicht. Kurzentschlossen nahm ich die Handtasche, kehrte sie um und leerte den Inhalt auf den Tisch und fischte den gewünschten Schlüssel heraus, welcher nun oben lag. Aber den Türschlüssel. Denn neben ihm gab es neben vielen, vielen Utensilien eine reiche Fülle von einem kleinen Schraubenschlüssel, Schrauben, Dübel, und eben die spitzen Nägel und Agraffen. Nun, alles schnell wieder da hinein und die Werkzeugtasche fein säuberlich verschliessen, denn schon tönt es "Wo bleibst du?". Ich hängte die Tasche wieder an den Nagel, verbiss mir durch mit Autosuggestion angelernte Selbstbeherrschung ein Lachen und dachte mir, dass nur die Nägel, nicht aber Bemerkungen spitzig sein dürfen und händigte ihr den gewünschten Schlüssel aus mit der Anmerkung: "Es hat keine Milch mehr im Kühlschrank!".

Ein andermal überzeugte sie mich mit Ihrer angeborenen Gabe zum Improvisieren. Bei der Garageneinfahrt beim Gästehaus gibt es ein Plastikfass für das Auffangen des Regenwassers. Dieses Wasser brauche ich für das Begiessen der Blumenrabatten und die Zubereitung des Pflasters, um die Fugen der Pflastersteine abzudichten, denn der ganze Platz sollte ja dicht versiegelt sein, damit kein Wasser mehr eindringen kann, denn nur so ist die Gewähr gegeben, dass der Platz nicht wieder und weiter absackt. (Siehe Bild im Blog, Seite 'Hanoch'). Also, dieses besagte Fass bekam plötzlich einen feinen Haarriss und das Wasser begann auszulaufen. Damit wurde das Fass nutzlos. Ich überlegte mir, wie dieses auf die Schnelle zu reparieren war. Zwar existiert Leim für Kunststoffe, aber dieser verdient das Prädikat "haftend" nicht, wie alle übrigen Leime auch nicht. Ausserdem ist die leimende Stelle nass und das Wasser ausschütten wollte ich nicht, da man nicht weiß, wann es das nächste Mal wieder regnet. Also rief ich meinen 'Ingenieur der guten Einfälle'. Sie kam, sah und siegte, indem sie zwei Meter neben dem Fass mit dem Zeigefinger in ein Loch in der Wand griff und einen Finger voll wilden Honig entnahm, die schadhafte Stelle des Fasses bestrich und – das Problem war gelöst. Noch heute, vier Monate danach, hält der Bienenhonig das Fass weiterhin dicht!

Rosca als Fluglehrer

Alle auf dem Hof haben so ihre Stärken und Schwächen. Rosca, zum Beispiel, unser Hund, oder besser gesagt unsere Hündin, wie sich definitiv herausgestellt hat, sinnt sich immer wieder neue Flausen aus. Der neueste Spass besteht darin, andere zu erschrecken. So rennt sie von hinten, absolut lautlos so nah an einem vorbei, dass ihr Fell knapp, aber spürbar am Bein vorbeistreicht. Ich glaube sie dann immer Lachen zu sehen, wenn ich erschreckt rufe "Heee Rosca, was soll das!" Als dann aber dieser Spass mit mir für sie nicht mehr steigerungsfähig war, versuchte sie es mit den Hühnern. Diese wurden derart überrascht, dass sie im Schreck das Heil im Fliegen suchten. So legen sie mittlerweile einen bilderbuchhaften Senkrechtstart hin und es ist unverkennbar, dass sie die Lust am Fliegen gepackt hat. Die Folge davon? Es gibt keine Mauern und keine Zäune, die sie hindern, die zartesten Salatblätter im Fluge zu finden! Sie überfliegen mittlerweile jedes Hindernis ohne abzusetzen, den Vögel gleich.

Im Weiteren gibt es von unseren Tieren noch zu berichten, dass ich die Schafe verkauft habe. Ein Nachbar hat sie übernommen, und manchmal bringt er sie wieder um zu hüten, wenn er auf Reisen geht. Dass der Schafstall leer wurde, kam unserem Herr Walter eben gerade recht.

Herr Walter

Wie ich nun ein Jahr Brasilien hinter mich gebracht habe, so war es Zeit, Bilanz zu ziehen. In meinem materiellen Umfeld habe ich alles auf das allernotwendigste reduziert. Mein Zimmer ist an Einfachheit nicht zu überbieten – wie ich glaubte und mein Essen ist weit weg vom einstmaligen Gourmet-Genuss, ist ebenfalls auf das einfache Überleben des Leibes ausgerichtet. Bier und Wein ist dem Wasser, Tee und Milch gewichen. Dass ich dabei über zwanzig Kilo an Gewicht verloren habe, ist nur ein angenehmer Nebeneffekt, weit wichtiger ist, dass das, was übrig blieb, absolut gesund und beschwerdefrei wurde. Mein Körper ist uneingeschränkt zufrieden mit Gemüsesuppe und dem selbstgebackenen Brot. Nur gelegentlich meldet sich das Verlangen nach einer gebratenen Kalbsbratwurst oder einem deftigen Cervelat-Salat. (Jeder Schweizer, der sich für einen Aufenthalt bei uns anmeldet, bekommt die Auflage, je ein Paar mitzubringen. Den nächsten Cervelat gib's im Oktober!) Nun, also im Großen und Ganzen ist der Paladar überwunden. Paladar ist portugiesisch und bedeutet Genusssucht. Aber wie gesagt, es gibt nicht nur Gemüsesuppe und Brot. Viel frische, rohe Milch, selbstgemachte Konfitüre, welche zwar fast mehr verschenkt als selbst gegessen wird, Marmorkuchen aus der Konditoreiecke unserer Küche, Pizzas auf dem Steinteller und natürlich sehr viel Gemüse und Salate. Ganz selten gibt’s Fleisch, und gerade jetzt im August, haben wir einen fleischlosen Monat.

Nun, wie ich mir also diesen vermeintlichen Fortschritt in der Einfachheit so überlegte, beschlich mich ganz leise ein bisschen Stolz. Natürlich wusste ich, dass Stolz nicht das Ding ist, das uns in der seelisch/geistigen Reife weiterbringt. Bevor nun dieser leise Stolz zum Hochmut avancieren konnte, vernahm ich die innere Stimme: 'warte, Ich will dir zeigen, was Einfachheit ist'!

Einige Tage danach läutete es am Portal und ein schwarzer Mann aus dem heißen, hohen Norden begehrte Einlass. Er war etwa fünfzig Jahre alt, hatte einen Schnauz wie nur wenige Brasilianer, war mittelgross und kräftig, etwas salopp gekleidet mit kurzer Hose und einem nicht mehr neuen, abgetragenen Leibchen. Er erzählte dann, dass sein Neffe der Caseiro (der Bewohner und Hauswart) des angrenzenden Chácaras, und etwas weiter entfernt sein Bruder der Caseiro eines anderen Chácaras sei. Beide hätten nicht Platz für ihn zum übernachten. Er sei nun mit dem Bus drei Tage aus dem Norden hergereist und suche Arbeit, da es diese in seiner Heimat nicht gäbe, habe er doch Frau und drei Kinder. Von seinem Neffen und unserem Nachbar kannte er natürlich unsere Begebenheiten und meinte, dass er nicht ein Zimmer, sondern sonst eine Möglichkeit begehre, wo er am "Schärme" seine sieben Sachen unterbringen und schlafen kann. Nilce machte ihm dann, selbst ein bisschen beklommen, den Vorschlag, dass eben der Schafstall frei geworden sei. "Nemhum proplema", meinte er und willigte ein. Auf die Frage, was dieser Schafstall denn im Monat koste, (ich hielt mir innerlich die Ohren zu!) meinte Nilce, "hundert Real oder an drei Samstagen im Monat für uns arbeiten." Ich schluckte leer, sagte aber nichts, da ich die Gepflogenheiten und Sitten in dieser Beziehung zu wenig kenne, wurde aber sichtlich rot im Gesicht. Für Walter war dieser Vorschlag mehr als recht, etwas anderes habe er auch nicht erwartet.

Walter, er wurde dann für mich ein Vorbild im einfachen Leben, nannte ihn nicht einfach so ordinär 'Walter', sondern 'So Walter', was soviel heißt wie 'Herr Walter'. Das machte mich ihm auf der Stelle zum Freund.

Zwei Tage lang hat er den Stall gereinigt und ihn dann wohnlich eingerichtet, eine alte Schale  einer Telefonkabine zur Badewanne umfunktioniert, Licht installiert – und immer war ein Lächeln in seinem Gesicht. So hat er mich gelehrt, was es heißt, einfach zu leben und trotzdem glücklich und zufrieden zu sein.

Zwei Monate blieb er, und da er keine Arbeit gefunden hat, blieb ihm leider nichts weiter, als wieder zurück zu reisen zu seiner Familie. Für mich hat er einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Die Stadt Hanoch

Mancher meiner lieben Freunde hat sich schon gefragt, weshalb mein Reisebericht wohl "Reise nach Hanoch" heißen möge. Hier wollen wir dies ergründen. Hanoch war eine Stadt, die nach alter Überlieferung auch einen anderen Namen hat: Atlantis, die versunkene Stadt. Der Name Hanoch stammt aus den drei Bänden "Die Haushaltung Gottes", eine Kundgabe über die Zeit von Adam bis Noah, was einer Zeitspanne von ungefähr tausend Jahre entspricht. Adam und die noch gottesfürchtigen Bewohner der damaligen Erdbevölkerung wohnten 'auf der Höhe' in der erweiterten Region des heutigen Kaspischen Meeres. Die Bewohner Hanochs, die weniger Gottesfürchtigen, wohnten in eben dieser Stadt, in 'der Tiefe'. Hanoch umfasste die eigentliche Stadt mit etwa zwanzig Millionen Einwohnern und dazu noch zehn Vorstädte, die kulturell und wirtschaftlich mit der Stadt Hanoch zusammen gewachsen war. Hanoch war, wie später Sodom und Gomorrha, der Inbegriff der Sünde, Aristokratie, teilweise der Diktatur, des Krieges und der Missbrauch der Natur, was später dann zur Sintflut und dem Untergang der Stadt führte.

Nicht umsonst lesen wir im Luk 17,26 ff: "Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: sie aßen, sie tranken, sie freieten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging, und kam die Sintflut und brachte sie alle um." Viele Menschen 'aus der Höhe' machten sich auf, Hanoch zu besuchen um zu missionieren, und alle, bis auf sehr wenige, wurden von Hanoch verschluckt, das heißt, sie lernten die Sünde lieben, blieben in dieser Stadt und vergassen das Gottesfürchtige Leben. Wenn ich nun von Hanoch schreibe, so meine ich die Stadt São Paulo in Brasilien. Ähnlich wie  Hanoch, hat auch São Paulo zehn bedeutende Vorstädte mit alles in allem etwa vierzig Millionen Einwohnern. Das urbane Stadtgebiet umfasst etwa vierzig mal vierzig Kilometer und stellt die dritt- bis viertgrösste Stadt der Welt dar. Vor vielen Jahren wohnte ich schon einmal während zweier Jahre im Zentrum dieser Südamerikanischen Metropole und kenne das Treiben und Walten sehr gut. Heute jedoch sehe ich SP mit ganz anderen Augen. Damals freute ich mich über den Betrieb, das 'Leben' in den Strassen, die Strassenhändler, den Überfluss an materiellen Gütern, kurz: Hanoch war meine Stadt. Nun aber, nachdem ich das wahre Leben kennengelernt habe, kann mich Hanoch nicht mehr reizen. Im Gegenteil, die einstige Zuneigung ist dem Eckel gewichen. Die vielen verwahrlosten Menschen, darunter viele Kinder, die auf der Strasse lebten, Die 'Sündendistrikte', ganze Strassenzüge in der Innenstadt, die sich Samstagnachts mit tausenden von Schwulen füllen, das Blut, das in den Strassen fliesst, geben mir heute ein ganz anderes Bild. Mit dem Blut auf der Strasse meine ich nicht nur die immense Kriminalität, sondern vor allem die jährlich 1,4 Millionen vorgeburtliche Kindstötungen, die vor allem auf ein offensichtliches Leben in vollster Freizügigkeit zurückzuführen ist (Die Zahl ist auf das ganze Land bezogen). Neun-, zehn- und elfjährige Mädchen, die von den Eltern auf den Strich geschickt werden, erzählen Bände!

Nicht nur die sittliche Moral ist völlig aus dem Ruder gelaufen, auch die Politik ist unter der Fuchtel von Korruption, Gericht und Gerechtigkeit stehen nur für die Reichen offen, ebenso Gesundheits- und Bildungswesen. Will man den Überlieferungen glauben, so war Hanoch im Vergleich zu SP noch ein halbes Paradies.

Da ich mich in dieser Region auch nach geistigen Brüder und Schwestern umgesehen habe, so habe ich bald erkannt, dass es relativ viele bekehrte Seelen gibt, die sich auch zum Glauben bekennen. Aber man sieht dann beim näheren Hinsehen sofort, dass es genau so wie in der Schweiz auch, Menschen sind, die zwar den Namen Jesus Christus bekennen (und dadurch auch gerettet sind!), aber, die einen mehr, die anderen weniger, die Welt immer noch liebhaben. In Santa Isabel (auch zu Gross-São Paulo zugehörig) habe ich nun eine kleine Gruppe gefunden, der dieses Problem bewusst ist.

"Die Welt überwinden" ist ein Postulat Jesu. Warum man die Welt überwinden soll, kann man erst begreifen, wenn man die Welt wirklich überwunden hat. Das ist die Schwierigkeit. Einem Weltmenschen zu erklären, warum er eben der Weltliebe absagen soll, ist beinahe unmöglich, er würde das nie verstehen. Dieses Unmögliche habe ich bald einmal eingesehen, und habe mich dann gefragt, was denn die Weltliebe eigentlich ist und bin dann zu einem für mich eigenartigen Schluss gekommen, welcher eben, wie schon gesagt, eingefleischte Weltmenschen kaum nachvollziehen können. Die Welt ist das eigentliche Aussenleben, das Leben außerhalb des Seelenlebens. Dazu gehört der Körper, das Fleisch. Die ganze Weltwirtschaft mit allem Drum und Dran, Politik, Militär, Gesundheits- und Bildungswesen, kurz, das ganze System steht im alleinigen Dienst des menschlichen Leibes. Alles existiert nur deshalb, weil jeder Mensch für seinen Körper nur das Beste, Gesündeste, Bequemste und das Dienlichste möchte. Alle Begierden, alle Bedürfnisse kommen aus dem Leib und die Seele hat dann den ganzen Tag und oft auch die ganze Nacht nichts anderes zu tun als sich um die Erfüllung aller leiblichen Wünsche zu sorgen. Es ist ein Teufelskreis im wahrsten Sinne des Wortes. Obendrein werden in Europa politisch die Zwänge geschaffen, alle Sorgen und Vorsorgen im Leben einzubeziehen.

Die ganze Wirtschaft, das gesamte System steht und fällt mit den unkontrollierten leiblichen Wünschen, Bedürfnissen und Begierden. Dabei ist es die Aufgabe der Werbeindustrie, diese leiblichen. Bedürfnisse und Begierden zu wecken und zu entfesseln. Das Fernsehen ist dabei die grösste Macht, die manipulierbare Menschenmasse in die gewünschte (Meinungs-) Ecke zu drängen. Wer die Kraft nicht aufbringt, gegen diese Macht des Fernsehens und der anderen Massenmedien zu widerstehen, hast niemals die Möglichkeit, das eigene Fleisch jemals zu überwinden und frei zu  werden. Nicht nur sich von den systemischen Zwängen freizusetzen, sondern vielmehr von den Geistigen Mächten, die einzig und allein nur durch und mit dem eigenen Fleisch wirksam sind.

 

Gibt es einen Ausweg? Ist es nicht ein bisschen billig, einfach zu glauben "Trachte nach dem Reiche Gottes, dann wird dir alles zufallen", und das Problem ist dann gelöst? Kann man diesen Teufelskreis in der Tat durchbrechen und das in der heutigen Zeit?

Man kann. Das Problem dabei ist nicht die "Welt", nicht das manipulierende Fernsehen, nicht die politischen Zwänge und nicht die tägliche Arbeit, der wir nachgehen, kurz: nicht das System. Das Problem ist einzig unser Leib mit allen seinen Wünschen und Bedürfnissen. Diese Bedürfnisse sind stets und ausnahmslos immer ein ganz klein bisschen grösser als der momentane Inhalt des Geldbeutels. Der moderne Mensch gleicht dem Esel (entschuldige diesen Vergleich!), dem der Hafersack einen halben Meter vor das Maul gebunden wird. Er läuft immer schneller, vergisst die angehängte Last und sieht nichts mehr als nur diesen Hafersack, bis er mit einem Herzinfarkt zusammenbricht.           

Gelingt es uns, alle Bedürfnisse, einmal vom einfachen Essen und Kleider abgesehen, abzulegen, so entbinden wir uns dem obigen Hafersack und leben mit fast nichts, immer im Überfluss, wie ich schon im letzten Hanoch-Brief erwähnt habe.

Also, die Weltliebe ist immer die Liebe des eigenen Fleisches. Eine Bekehrung zum Glauben mit Jesus nützt nicht viel, wenn wir "das Fleisch" nicht überwinden, denn die Sorgen und die eigenen  und unnötigen Wünsche können wir auch mit dem stärksten Glauben so nicht ablegen. Ein Leben im Geist ist nur möglich, wenn wir alle Wünsche des Leibes willentlich, bewusst, konsequent und kompromisslos abtöten. Eine munzig-kleine Annäherung zu diesem Punkt habe ich in dem vergangenen Jahr erfahren dürfen. Erst nach und nach war es mir zu erleben vergönnt gewesen, was der "Gegenwert", um es ein wenig profan auszudrücken, eigentlich dann darstellt, nämlich der wachsende Geist Gottes und damit das erwachende Innenleben. Als Weltling konnte ich mir ein sogenanntes Innenleben nicht vorstellen, wusste nicht, was das sein sollte. Schön langweilig! Klar, ich konnte mir nicht ausmalen, dass erst das geistige Innenleben das materielle Aussenleben bestimmt! Und weil ich nicht begreifen konnte, dass die selbstlose Liebe die Basis für ein glückliches materielles Leben ist, bin ich diesem auch immer mit viel Aufwand, aber erfolglos,  hinterher gerannt.

Dabei wäre es so einfach. Die wahre Liebe, die Göttliche Liebe, kommt nie aus der menschlichen Seele, sondern immer aus dem Geiste Gottes in der Seele. Wenn der Geist Gottes wächst, wächst auch die Göttliche Liebe zu Gott und daraus zu den Mitmenschen. Damit dieses Wachstum des Geistes in Gang kommt, muss jedoch zuerst die Seele vom Materiellen gereinigt (geheiligt) werden. Dies geschieht aber nicht von heute auf Morgen, es ist ein langer, harter und teilweise zermürbender Prozess, der viel Selbstüberwindung erfordert. Aber das Ziel wird mit jedem kleinen Fortschritt immer deutlicher und erstrebenswerter: Das Eins werden mit der allesumfassenden Liebe, die auch das eigentliche Leben darstellt. In dieser Sicht verblasst plötzlich das Vergängliche, das Unwirkliche und es lösen sich Krankheiten und andere Kalamitäten ins Nichts auf: man erkennt sich als Teil eines zusammenhängenden und harmonierenden Ganzen. Die Quelle dieser harmonisierenden Kraft erkennt man dann als innere, innenwirkende, lebenspendende Kraft. Alle anderen Kräfte, materieller oder geistiger Art, die von Aussen wirken, verblassen ebenfalls. Diese innere Energie, diese Macht ist der Christus, der Geist Gottes. Kein Krishna, kein Buddha und kein Mohammed, nur der innewohnende Christus Jesus kann dieses unteilbare Leben leben. Da es nur einen Gott gibt, gibt es auch nur einen Geist, und wir alle sind Teil dieses einen Geists, darum, wenn wir Eins mit Christus (Geist Gottes) sind, sind wir auch Eins mit dem Mitmenschen, und in ihm, unserem Nächsten, erkennen wir wieder Christus Jesus.

Diese Erkenntnis durfte ich als Lichtgedanken vor einigen Monaten erhalten. Darauf ward ich gedrängt, die Gemeinschaft mit dem Geist Gottes ständig im Bewusstsein zu halten. Aber das funktionierte immer nur einen kleinen Augenblick, dann waren meine Gedanken wieder irgendwo und überall, nur nicht da, wo sie sein sollten. Darauf begann ich,  jede volle Stunde kurz abzusitzen und kurz zu meditieren mit dem Gedanken, dass 'alle Arbeit, die ich gerade verrichte, nur einen ganz kleinen Zeitwert haben, sonst aber zu Nichts nütze ist. Das einzige, was Sinn macht, den Christus, die Göttliche Schöpferkraft als mein stetiger Begleiter in meinem Bewusstsein zu haben'. Nun ging es immer ein bisschen besser, meine Gedanken flirteten weniger mit dem Vergänglichen. Wie freute ich mich dann, als vor etwa zwei Wochen die neuesten Kundgaben von Helga eintrafen, als ich in der ersten las:

" … Ich bin allezeit bei euch, in euch, und eigentlich bräuchtet ihr nicht mit Worten oder Gesten zu beten. Doch manchesmal ist es gut für den Nächsten zu sehen, daß gerade die Einkehr und die Konzentration auf Mich eine tiefere Verbindung bewirkt. Doch wie Ich schon sagte durch Meinen Knecht, was geschieht in der Meditation, nach der Meditation: Seid ihr allezeit bei Mir, oder kann Mein Mägdlein ein Lied davon singen, wie schnell es geht, außerhalb Meines Bewußtseins zu sein? Doch ihr sollet lernen, Mich beständig im Bewußtsein zu halten, so daß ihr zum Schluß eins seid mit Mir in all euren Taten und Handlungen, in euren Gedanken, in euren Wünschen und Hoffnungen, die Ich dann in euch hege und in euer Herz lege."

Das war eine Bestätigung!!

 

Ja, meine Lieben, ich habe nun einfach 'frisch von der Leber weg' geschrieben, was sich in meinem Aussenleben und auch in meinem Innenleben so tut. Nun bleibt mir noch

einen Gruss nach Holzach

zu senden. Am nächsten Wochenende findet bei Euch, Gerhard und Barbara, wiederum das Geschwistertreffen statt, das ich sehr gerne auch besucht hätte. Doch die physische Distanz hindert mich nicht, wenigstens geistig bei Euch zu sein. Ich weiß, dass ihr alle Christus stets im Bewusstsein habt, ihr also Eins mit Ihm seid, und dadurch auch untereinander Eins seid. So sind wir – ob fern oder nah – geistig einmütig beieinander und dürfen alle dem verheissenen Segen unseres Bruders und Vaters Jesu teilhaftig sein!

In eigener Sache

Den Blog "Nachfolge Jesu" möchte ich empfehlen, und auch die Gelegenheit, Kommentare zu schreiben. Uber einen Gästebucheintrag würde ich mich freuen … Du findest in dieser Webseite ausserdem viele Fotos vom Chácara und auf der Seite "Hanoch" Bilder zu den Reiseberichten.

Die Adresse lautet: http://jesus-ist-in-uns.blogspot.com/

 

Einladung

 

Wieder möchte ich die Einladung für Besuch und Ferien erneuern, wir haben genügend Platz, Nilce ist immer noch fleissig am Deutsch lernen und freut sich auch auf Besuch aus Europa.

 

Bis zum nächsten Mal wünsche ich allen Gottes reichen Segen

und verbleibe

 

mit offenem Haus und Herzen

 

Hans Künzle

 

 

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Fotos vom Treffen bei G&B

 

Anhang:

 

Neu: Blogadresse:  http://jesus-ist-in-uns.blogspot.com/
Neue EMailadresse:
hkunzle@bol.com.br
Zeitunterschied: Zur Zeit 4 Std (nach rückwärts rechnen) bis Ende März, nachher 5 Std
Siehe vCard (Visitenkarte, einzusehen nur mit Windows Mail)
 
Adresse:
Hans Künzle
c/o  Maria Nilce Ferreira Povoa
Rua João Pessoa, 20, apt. 02
075000 Santa Isabel SP - Brasil
 
Infolge der sehr schwachen Internetanbindung mit lediglich 20 Kb/sec
 Ist die Kommunikation mit Skype beinahe unmöglich.
 
Publikationen:

 

- Sieben Schritte zur Wiedergeburt
- Mezzo Mezzo
- Verborgene Schätze
- Das Himmelreich ist in euch
- Tagebuch der Seele

 

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Herz-Verlag
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