Johann Jakob Wirz

aus

seiner Biographie (S. 160-166)

 

Die Komplexionen. Der Drache, das Tier und der Weltgeist. Der MIttelort.

12. März 1838

Die Komplexion (das Temperament, die Gemütsbeschaffenheit) gibt einem Christen viel zu schaffen. Sie überwinden, heißt sich selbst überwinden, was einen beständigen Kampf erfordert.

In den meisten Komplexionen sind Hochmut und Ehrgeiz vorherrschend. Können nun diese bösen Eigenschaften, wenn sie bei gewissen Anlässen sich zu erheben trachten, ihre Grenzen nicht überschreiten, so fallen sie in die Tiefe hinunter und verursachen durch ihren Fall einen gewaltigen Rauch und Dampf. Daraus entsteht dann Finsternis, Angst und Missmut, und an die Stelle des Hochmuts setzt sich Kleinmut und Niedergeschlagenheit.

So fährt der Mensch auf den Wogen der Leidenschaften, wie auf den Wellen eines stürmischen Meeres, bald himmelan, bald hinab in die Tiefe der Abgründe. Selbst begnadigte Christen, in denen Natur und Gnade noch im Streit sind, müssen oft dergleichen an sich erfahren.

Selig ist derjenige Christ, der sich bei dergleichen Anfechtungen frei und unbedingt in Gottes Hand ergeben kann. Diese unbedingte Übergabe in den göttlichen Liebewillen macht dem Streit bald ein Ende, und der auf dem Meere sinkende Petrus steigt dann an der Hand Jesu wohlbehalten ans Land.

Es gibt keinen Christen, in dem nicht zu Zeiten durch eine besondere Veranlassung das Tier aus dem Abgrund aufsteigt; denn selbst der Wiedergeborene hat Himmel, Welt und Hölle in sich. Geduld und Glaube aber sind die sichersten und besten Waffen, das Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt, zu überwinden. Kein Heiliger oder Auserwählter darf sich schmeicheln, daß er niemals von dem Tier überwunden werden könne, weil laut Offb.13, 7 dem Tier unter göttlicher Zulassung Macht gegeben wird, auch die Heiligen zu überwinden. Allein diese Überwindung ist nicht wesentlich; denn das Tier kann an den Auserwählten nur das verschlingen, was an ihnen durch Adams Fall dem Tiere oder der Schlange gleich ist. Die Geduld aber und den Glauben an Jesum kann es nicht verdauen, denn diese göttlichen Eigenschaften verursachen ihm Schmerzen und Grimmen im Leibe, so daß es genötigt wird, das ihm Ungleiche wieder ans Land zu speien. Da singen dann die entronnenen Heiligen und die Auserwählten am Ufer des Meeres dem Gott Jehova ein Loblied und freuen sich, die Harfen in den Händen, des Sieges, den sie durch die Kraft des Blutes Jesu über das Tier davongetragen haben.

Das Tier kommt aus dem Wasser der Sinnlichkeit, der Drache aus dem Feuer, und der Weltgeist herrscht mit Millionen Geistern in der Luft. Doch ist das Tier nicht bloß ein Wassertier; es kann auch auf dem Lande leben. Ebenso kann der Drache sich auch auf der Erde aufhalten, weil diese mit ihrem Feuer ihm Nahrung gibt. Desgleichen herrscht der Weltgeist auch auf der ganzen Erde, hat aber seinen Hauptsitz in den Residenzstädten der verschiedenen Länder.

Der Drache, das Tier und der Weltgeist sind im Wesen Eins und bilden miteinander eine Dreieinheit.

Der Weltgeist, der von dem Tier und dem Drachen ausgeht, erzeugt den falschen Propheten, der als der große ägyptische Zauberer Wunder zu tun vermag. Seine größte Kunst besteht darin, die Weltmenschen, die auf der Erde ihren Teil suchen, ja sogar auch unbefestigte Erweckte, unter dem Schein nützlicher Kenntnisse, vernünftiger Anordnungen in der weltlichen Ökonomie und reichen Gewinnes in der Handelschaft zu verführen. Auch versteht er es, auf eine artifizielle Weise seine Freunde dahin zu bringen, dass sie dem Tiere und dem Drachen Ehre erweisen, indem er ihnen durch listige Vorspiegelungen begreiflich macht, daß, wenn es sich um die Ausführung eines guten Planes handle, der Zweck alle dazu dienliche, sogar grausame Mittel heilige. Dieser Weltgeist, weiß auch dem Tiere eine solche Gestalt oder ein solches Bild zu geben, daß selbst Seelen, die von der Gnade ergriffen sind, aber ihren Beruf noch nicht durch die Kraft der Tugenden Jesu festgemacht haben (2.Petr.1, 1O), vor ihm niederfallen und seine Anordnungen, sofern sie nur ihrem zeitlichen Interesse nicht zuwider oder demselben gar förderlich sind, als göttliche Anordnungen annehmen. Er herrscht nach Eph. 6,12 in der Luftregion und hat ein unzählbares Heer finsterer Geister zu seinem Staatsgefolge. Er treibt sein Rad in einer ununterbrochenen Wirksamkeit vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang, herrscht allenthalben in den Ungläubigen und hat die Fürsten und Herren dieser Welt zu Kaufleuten, die ihm seine Ware abnehmen und an Freie und Knechte wieder absetzen.

Wehe den verstockten Menschen, welche in der entscheidenden Stunde, wo das Tier sich in einem Menschen personifizieren und zum Weltregenten aufwerfen wird, ihm göttliche Ehre erweisen. Für solche ist dann nach Offb. 14,9-11 ferner keine Gnade mehr, auch kein Mittelort zur Reinigung, sondern das Aufsteigen des Rauchs aus dem ewigen Zornfeuer wird ihre Qual sein, in welcher sie Ewigkeiten hindurch leiden müssen.

Wer die Wahrheit von einem Mittelort, als einer von Gott verordneten Reinigungsanstalt, aus verstocktem Sinn leugnet oder gar lästert, der ist, wie man an seinem Starrsinn wahrnehmen kann, noch weit zurück in der Liebe, welche die Seele mit Gott und dem Himmelreich einigen muss. Ein solcher verschließt sich die Reinigungs- und Besserungsanstalt selbst, und fährt in den Abgrund oder in die Gehenna hinunter, gestürzt durch seinen eigenen hochmütigen Geist, mit dem er sich über eine göttliche Wahrheit erhoben hat, die der heilige Geist in unseren Tagen klarer als je an das Licht stellen will, und von welcher die Heilige Schrift keineswegs schweigt, sondern denen, die es fassen wollen, genugsame Winke gibt. Amen

 

Fortsetzung des vorhergehenden.

Die Kraft des heiligen Blutes Jesu.

21. März 1838

 

Soll nun der Mensch von dem Tier, von dem Drachen und dem Weltgeiste, von denen im Vorhergehenden die Rede war, die seit Adams Fall ein gewisses Recht auf ihn bekommen haben, wieder erlöst werden, so muss er durch das gottmenschliche Blut, das unser Erlöser im Richthause des Pilatus und am Kreuz vergossen hat, wieder losgekauft werden. Diese Loskaufung kann aber nicht anders geschehen, als durch die Vermittlung des Heiligen Geistes, der das für die Menschheit einmal geopferte Blut Jesu durch das anziehende Verlangen der Seele wieder in die Tinktur des menschlichen Lebensblutes hineinführen und so dieses menschliche Blut prozessmässig vom Geiste des Tieres, der seit dem Fall Adams darin qualifiziert, wieder entbinden muss. Denn nachdem unsere ersten Eltern dem Tier Gehör gegeben haben, steht der Mensch gleichsam durch eine geistige Transfusion, durch einen erzwungenen Rapport, in einer Art von Bluts-verwandtschaft mit demselben.

Der blutarme Mörder, der Satan, der selbst nie einen menschlichen Leib hatte und dem Menschen denselben nicht gönnte, hungerte sozusagen wie ein blutdürstiges Amphibium nach dem köstlichen Blute des ersten Menschen. Da er aber als ein abgefallener, finsterer Geist nicht in unmittelbarer Verbindung mit dem Menschen stand, so musste er sich ein Mittelorgan suchen, durch welches er mit ihm in Verkehr treten konnte. Zu diesem Zweck bediente er sich der Schlange (oder des Tiers), womit er schon in Rapport stand, um vermittelst dieses magischen Kanals Macht auf die menschliche Bluts-Tinktur zu bekommen, und dadurch sich für immer in eine wesentliche Verbindung mit der Menschheit zu setzen. Dies ist ihm leider auch zum Teil gelungen; denn durch die Schlange, die er später zum Drachen ausgebar, hat er das Blut des Menschen tierisch gemacht.

Die menschliche Bluts-Tinktur ist also durch den Sündenfall nicht allein vom Gift des Schlangenblutes infiziert, sondern in dasselbe magisch eingeflossen. Ja, seitdem unsere ersten Eltern durch ihren Ungehorsam mit dem Tier in einen geistigen Rapport getreten sind, ist das menschliche Blut gleichsam in das Blut des Tieres eingekauft worden (Offb.5,9), und kann nun nicht anders als durch den verheißenen Weibessamen, Christum, der sein Blut zur Losbindung dahingegeben hat, von dem Tier wieder losgekauft werden.

Gott und dem Lamme sei Ehre und Anbetung gebracht, daß dieses wieder möglich geworden ist. Denn jene Worte, die vor mehr als achtzehnhundert Jahren vor der Richtstätte des Pilatus erschallten: "Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder", galten nicht bloß für jenen Volkshaufen in Jerusalem, und verbreiteten sich nicht allein als ein Fluch über die ganze Judenschaft, sondern sie enthielten auch, jenem Volkshaufen unbewusst, zugleich ein Gebet und gelten noch fortwährend als ein Segensspruch für alle diejenigen, die sich an dem Mord des Unschuldigsten schuldig finden und darüber Leid tragen, zur Loskaufung von dem, der ein blutdürstiger Mörder von Anfang war.

Weil Jesus ein universeller Mensch war, so verbreitet sich sein für uns vergossenes Blut auch universell über die ganze Menschheit, senkt sich aber zur Erlangung der verheissenen Ruhe besonders in diejenigen ein, die durch die Magie ihres Willens dieses Blut zu ihrer Loskaufung trinken.

Die göttliche Bluts-Tinktur allein vermag die Seele des Menschen von der Macht des Feindes zu entbinden und sie wieder dahin zu führen, von wo diese göttliche Tinktur oder Blutskraft unseres Erlösers herkommt. Er allein hatte Macht, sein Leben zu lassen, und es wieder zu nehmen, auf dass Er dem im Tode liegenden Menschen das Leben, welches allein Leben genannt werden kann, geben könne.

Gott, als der Rächer alles Bösen, hatte durch Mose das Gesetz gegeben, dass derjenige, der auf willkürliche Weise einen Menschen totschlüge, ohne Gnade sterben, dass sein Blut ebenfalls vergossen werden müsse. Dieses musste erstlich darum geschehen, damit der Gerechtigkeit Gottes ein Genüge geleistet werde; dann aber auch, damit durch die Vergießung des Bluts des Mörders das Blut des Gemordeten, das der Mörder mit seiner Willenskraft durch seinen Blutdurst geistig in sein Blut gezogen hatte, und das also in des Mörders Blut gefangen lag, von dieser Seite wieder zur Ruhe komme. Darum musste auch Christus am Kreuz zwischen zwei Mördern sterben, damit durch sein heiliges Blut unsere Blutskraft, wieder erlöst, und durch eine vollgültige Bezahlung das Geraubte gerichtlich, prozessmässig losgekauft werde.

Die Kraft des Blutes Jesu ist unerschöpflich. Aber man muss weit in die Wirkungen des Blutes Jesu, ja bis ans Ende hineinsehen, sonst wird uns, bei einer bloß spiegelhaften Erkenntnis, der darin enthaltene Trost endlich abgenutzt und veraltet. Denn in dieser heiligen Erkenntnis wird nicht weniger als in andern Erkenntnissen und Wissenschaften ein immerwährendes Fortschreiten erfordert und es leidet keinen Stillstand in dem heiligen Geheimnis dieses Gnadenmeers. Wir dürfen daher nicht ruhen, bis wir, von Grad zu Grad steigend, endlich in das Zentrum dieses Gnadenmeers aufgenommen sind, wo sich alle heiligen, wesentlichen Kräfte dieses Blutes zur Vereinigung der Seele mit dem Gottmenschen konzentriert finden.

Lasst uns nun nach dem schwachen Maße unserer Erkenntnis noch von einer besonderen Wirkung dieser heiligen Tinktur des Blutes Jesu in Beziehung auf einen für die gefallene Menschheit äußerst wichtigen Punkt reden.

Als die Schlange im Paradiese, nachdem sie unsere ersten Eltern zum Ungehorsam verführt hatte, deren Blut durch ein magisches Einsaugen desselben an sich kaufte, so sog sie damit zugleich etwas ein, das aus dem Blute entsteht, nämlich die Samenkraft des Menschen, nach welcher der Mörder in der Schlange, der Satan, hauptsächlich hungerte, damit er die Welt mit Kindern des Zorns, als mit einer Schlangenbrut anfüllen könnte. Dieses ist ihm leider auch gelungen; denn sobald das erste Menschenpaar von der verbotenen Frucht gegessen hatte, die in ihnen gärend zum geistigen Tod wirkte, so setzte er sich durch die Schlange auf den Bauch dieser verführten Menschen, wodurch bald ein gegenseitiger Hunger des einen nach dem andern in ihnen erwachte, der sich auf alle ihre Nachkommen bis auf den heutigen Tag vererbt hat; denn sie sind alle von diesem Hunger ergriffen. So hat also der Feind den edlen, von Gott verliehenen Samen der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts unter seine Herrschaft gezogen und durch diese Zornesmacht die Erde mit Kindern des Zornes besät, deren er noch immer gebiert; und das ist der Grund, warum der Same der heiligen Linie der Lichtskinder im Vergleich mit dem verderbten Geschlecht der Kinder der Menschen von Adam bis auf unsere Zeiten immer sehr gering gewesen ist (l.Mose 6,1-6).

Um diesem im Paradies entstandenen Unheil, dessen schreckliche Folgen Gott voraussah, wieder abzuhelfen, sprach Er gleich nach dem Falle in seiner schaffenden Kraft zur Schlange: "Des Weibes Same soll dir den Kopf zertreten, du aber wirst ihn in die Ferse stechen." Wer anders kann uns also erlösen von dem Leibe des Todes, als Christus, der wahre Weibessame, der durch die Kraft seines heiligen Blutes den Kopf zertreten muss dieser in uns hausenden und wütenden Schlange, die, durch das Feuer des Mörders angetrieben, eine beständige Versetzung der Samen-Tinktur von Mann und Weib, teils physisch tätlich, teils in sympathisch-magischer Wirkung, durch ein gegenseitiges magisches Begehren unterhält, wozu sie sich der Vermittlung des Weltgeistes bedient, der dieses Feuer der Unzuchtslust, oft sogar noch unter gutem Schein und mit Anwendung von Bibelsprüchen, täglich mehr aufregt, weil ihm der Mensch durch seine Einbildungskraft eine Macht über sich einräumt.

0h Christ, siehe wohl zu, wo du deine Einbildungskraft hinsetzest; denn von dem Baum, in den du sie einführst, wirst du auch Früchte essen. Adam blickte im Paradiese auf die Vermischung der Tiere, und dadurch erhielt der tierische Geist eine Macht über ihn.

Die edlen Kämpfer aber erhalten durch das reine, heilige und keusche Blut Jesu endlich doch den Sieg über den Samen der Schlange und lassen sich durch ihre Fersenstiche, in Reizung zur Unzucht bestehend, nicht irre noch mutlos machen, sondern nehmen täglich in der Heiligung zu und danken Gott in Christo, der ihnen diesen Sieg über das Tier und sein Zeichen verliehen hat. Amen !


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